Den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig stärken – Welche Rolle Staat und Unternehmen dabei spielen

4 min. read
Skyline Frankfurt Wirtschaftsstandort Deutschland

Deutschland gilt immer noch als ein lukrativer Wirtschaftsstandort. Überzeugend sind die hohe Arbeitsmoral, Innovationskraft, Kaufkraft, Lebensqualität und auch das hohe Qualifikationsniveau der Deutschen. Doch könnte diese Attraktivität bereits in diesem Jahrzehnt nachhaltige Schäden davontragen. Schuld sind weniger Corona-bedingte Entwicklungen, sondern vielmehr die Mängel, die der ehemalige Exportweltmeister im Laufe der Jahre nicht aus dem Weg geräumt hat. Vor allem Versäumnisse im Ausbau der digitalen Infrastruktur sowie komplizierte bürokratische Prozesse drängen den deutschen Wirtschaftsstandort immer weiter ins Abseits. Doch gäbe es gerade hier das größte Entwicklungspotenzial.

Weniger Bürokratie, besseres Internet und mehr steuerliche Anreize

Deutschland ist – zusammen mit Frankreich – der Motor der europäischen Wirtschaft. Auch weltweit kann sich der ehemalige Exportweltmeister nach wir vor rühmen, eine international führende Exportnation zu sein. Diesem Anspruch wird die Bundesrepublik jedoch von Jahr zu Jahr immer weniger gerecht. Es verwundert kaum, dass laut Handelsblatt Deutschland als Industriestandort in einem Ranking des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aktuell nur noch auf dem 4. Platz (vorher 3. Platz) liege – hinter der Schweiz, den Vereinigten Staaten und den Niederlanden. Zwar punkte man insbesondere in Sachen Marktpositionierung und verkehrstechnische Infrastruktur – schließlich ist Deutschlands Lage im Herzen Europas ideal für die Erschließung sowohl ost- als auch westeuropäischer Märkte –, doch wurden die größten Nachteile des Wirtschaftsstandorts Deutschland bisher nur unzureichend in Angriff genommen. Zu diesen zählen seit Jahren unverändert der deutsche Bürokratie-Wahnsinn mit seinem komplizierten Arbeits-, Sozial-, Steuer- und Tarifrecht und langwierigen Verwaltungsprozessen sowie die Tatsache, dass der flächendeckende Ausbau der Breitband-Infrastruktur schlichtweg nicht schnell genug vorangeht.

Banner Resilienz Online-Seminar und Whitepaper

Von der Attraktivität Deutschlands als Wirtschaftsstandort profitieren seit jeher zahlreiche Akteure – darunter insbesondere die hiesige Automobil-, Chemie- und Elektrotechnik-Branche. Doch könnte dieses Ansehen Stück für Stück an Bedeutung verlieren. Die Ursachen hierfür liegen jedoch weniger in der Corona-Pandemie begründet bzw. in den von ihr begünstigten Entwicklungen – veränderte Absatzmärkte, Lieferengpässe von Rohstoffen und Vorprodukten wie etwa Halbleiter, Holz oder Stahl oder unternehmerische Umstrukturierungen –, als man zunächst annimmt. Zwar ist derzeit tatsächlich der Materialmangel in der deutschen Industrie so groß wie noch nie. Doch war diese Entwicklung zumindest teilweise zu antizipieren. Mehr noch: Hier zeigt sich, dass die Corona-Krise von staatlichen Akteuren – aber auch von manchen Unternehmen – nicht hinreichend als „Game-Changer“ verstanden und es infolgedessen versäumt wurde, noch mehr Agilität und Flexibilität in bestehende Strukturen zu bringen. Hätte man sich gründlicher mit der Frage beschäftigt, wie die Politik den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig stärken könnte, so wäre die Antwort der Wirtschaft vermutlich gewesen: Wir brauchen weniger Bürokratie, besseres Internet und mehr steuerliche Anreize!

Viele Herausforderungen und eine offensichtliche Win-Win-Strategie

Fleiß und Pflichtbewusstsein gelten international als deutsche Arbeitstugenden. Doch spielen diese für Unternehmen im 21. Jahrhundert bei der Wahl eines geeigneten Wirtschaftsstandorts nur noch eine beiläufige Rolle. Viel eher berücksichtigt werden mittlerweile folgende Dimensionen:

  • Absatzmöglichkeiten
  • Kreditwürdigkeit
  • Lohnpolitik
  • Materialbeschaffung
  • Qualifikationsniveau der Beschäftigten
  • Staatliche Subventionspraxis
  • Technologiestand
  • Umweltschutzanforderungen
  • Verkehrsbedingungen
Mann sitzt vor Laptop am Schreibtisch schiebt Ordnerhaufen zur Seite

Im Jahre 2021 wird deutlich, dass insbesondere die digitale Transformation und der Trend zur Dekarbonisierung zu den führenden Standortfaktoren avancieren könnten. Doch bringt dies viele Unternehmen in eine verzwickte Situation. Während in der Theorie immer innovativere Produkte und Lösungen gefordert werden, um vorgesetzte Klimaziele zu erreichen, sehen sich viele von ihnen in der Praxis unter anderem mit steigenden Strompreisen und dem Strukturwandel der Berufslandschaft vor allem in ländlichen Regionen – jenseits beliebter Standorte wie Hamburg, München oder Berlin – konfrontiert. An dieser Stelle zeigt sich wiederum, welche Bedeutung dem großflächigen Glasfaser-Ausbau beizumessen ist. Denn würden gerade strukturschwache Regionen über einen leistungsstarken Internetzugang verfügen, verhindert dies nicht nur, dass der dort ansässige deutsche Mittelstand – das Fundament der deutschen Wirtschaft – ausgebremst wird, sondern sorgt auch langfristig für eine Ansiedlung ausländischer und inländischer Firmen.

Ein schnellerer Ausbau der digitalen Infrastruktur Deutschlands ist eine offensichtliche Win-Win-Strategie. Und dies nicht nur, weil leistungsfähige Internetanbindungen der gesamten Gesellschaft in vielerlei Hinsicht – Stichwort: Green Computing oder Smart Hospitals – dienlich sein können, sondern auch, weil sie Unternehmen dabei helfen, im internationalen Wettbewerb nicht abgehängt zu werden. Hierfür ist jedoch eine zielgerichtete Politik vonnöten, die nicht davor zurückschreckt, verbindliche Standards – sei es innerdeutscher, europäischer oder internationaler Natur – zu etablieren. Unternehmen wiederum sollten zukünftig besser darauf achten, ihre liefertechnischen Abhängigkeiten breiter zu streuen. Darüber hinaus sollte dafür Sorge getragen werden, dass unser Ausbildungssystem nicht vernachlässigt wird. Denn hier ist vor allem mehr Pluralität in Bildungseinrichtungen unabdingbar, um den wachsenden Anforderungen einer Gesellschaft, die zunehmend altert und schrumpft, besser gerecht zu werden – ebenso wie dem steigenden Bedarf nach MINT-Fachkräften. Nur so kann Deutschland langfristig im Wettbewerb um Innovationen mithalten und gleichzeitig dem demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel wirksam die Stirn bieten. Ohne staatliche Anreize oder Zutun ist dies jedoch kaum schaffbar.

Wir machen aus Talenten Experten!

Bildnachweise für diesen Beitrag:
190673703 © markus thoenen – stock.adobe.com
269731799 © Andrey Popov – stock.adobe.com

Schreibe einen Kommentar

Cookies erleichtern die Bereitstellung der Dienste auf dieser Website. Mit der Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. OK Datenschutzerklärung