Warum wir einen Perspektivenwechsel brauchen – ein Plädoyer für mehr disruptives Denken

Wirtschaftsexperte vor Unternehmen

Junge Gründer aus dem Silicon Valley wissen: Das Wesen der Digitalisierung ist Revolution und radikale Geschäftsideen gab es in der Vergangenheit bereits viele. Einige von ihnen haben die Spielregeln am Markt nachhaltig verändert. Unsere Welt ist komplexer geworden und der gesellschaftliche und wirtschaftliche Wandel scheint sich immer sprunghafter zu vollziehen. „Disruption“ ist das Schlagwort der Stunde – nicht nur in der Startup-Szene. Es ist mittlerweile üblich, dass etablierte Geschäftsmodelle und Technologien in immer kürzerer Zeit von radikalen Innovationen abgelöst werden. „Ein Gespenst geht um in Europa“ mögen manche Kritiker vielleicht denken, doch sie übersehen die existenziellen Chancen, die uns disruptive Ideen bieten. Es geht dabei um wichtige Veränderungsprozesse, die wir nicht nur in der Wirtschaft, sondern vor allem in der Gesellschaft brauchen.

Pfadabhängigkeiten versus disruptive Ideen

Wenn es um die Entwicklung disruptiver Technologien geht, denken viele Menschen nicht sofort an Deutschland, sondern zunächst an den Trendsetter Silicon Valley. Das liegt daran, dass das Silicon Valley den weltweiten Markt regelmäßig mit neuen disruptiven Geschäftsmodellen flutet. Neben einem radikalen Mindset sind es auch die einzigartigen Wechselwirkungen von aufeinander abgestimmten Firmen aus den verschiedensten Branchen, die das wirtschaftliche Treiben südlich der San Francisco Bay Area so erfolgreich gemacht haben. Hier wird grundsätzlich unterschieden zwischen einer gewöhnlichen und einer disruptiven Innovation: Während klassische Innovationen üblicherweise Neuerungen sind, welche das allgemeine Marktgeschehen weiterentwickeln, haben disruptive Ideen vielmehr eine komplette Umgestaltung bestehender Geschäftsmodelle zur Folge. Wie schon der Wirtschaftswissenschaftler Clayton Magleby Christensen sagte: Disruptive Prozesse sind in der Wirtschaft notwendig, um eine funktionierende Weiterentwicklung des Marktes zu gewährleisten.

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Viele Firmen – egal, ob Mittelständler oder Großunternehmen – sehen sich nicht dazu in der Lage, ihre etablierten Geschäftsmodelle radikal zu hinterfragen und zu verändern, während Startups radikale Konzepte viel eher voranbringen können und wollen. Das grundlegende Dilemma insbesondere von gut situierten Unternehmen besteht darin, dass sie sozusagen „Gefangene ihres eigenen Erfolgs“ sind. Schließlich können sie ihre Produkte bzw. Dienstleistungen nicht verändern, ohne ihre Bestandskunden zu verärgern, auf deren Zuspruch sie finanziell angewiesen sind. Aufgrund dieser unvermeidlichen Pfadabhängigkeit sollte eine disruptive Geschäftsidee zunächst auf Nischenmärkten ausprobiert werden, um dort Erfahrungen zu sammeln und diese weiterzuentwickeln. Denn Fakt ist: Der Aufstieg und Fall von Firmen, die sich innovationstechnisch abhängen lassen, ist, wie bereits der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter in seinem Modell der sogenannten „schöpferischen Zerstörung“ festgehalten hat, ein notwendiger Entwicklungsprozess für den technischen Fortschritt von Gesellschaften.

Gesellschaft: Warum disruptives Denken gefördert werden sollte

Disruptive Technologien revolutionieren nicht nur das Marktgeschehen, sondern beeinflussen auch nachhaltig die Gewohnheiten und das Konsumverhalten einer ganzen Gesellschaft. Wenn es um Digitalisierungsprozesse geht, identifiziert das Handelsblatt zwei Wellen der Digitalisierung: Demnach brachte die erste Welle den Menschen digitale Anwendungen für den Privatgebrauch und die zweite Welle, die gerade erst begonnen habe, konzentriere sich eher auf die Digitalisierung von Geschäftsprozessen und Industriediensten. Das Handelsblatt nimmt, wenn es um disruptives Denken geht, also eine Vorreiterrolle ein, was ihre Podcast-Serie „Handelsblatt Disrupt“ über „Startups, Disruptionen und die Macher der digitalen Welt“ noch unterstreicht. Ein solches Denken sollte in unserer heutigen Gesellschaft verstärkt gefordert und gefördert werden, so der Unternehmensphilosoph Bernhard von Mutius. Ein disruptives Mindset werde insbesondere deswegen gebraucht, da die Herausforderungen der Zukunft, die Firmen und Menschen gleichermaßen erwarten, immer unvorhersehbarer zu werden scheinen.

Disruptives Denken ist eine wichtige Fähigkeit, um mit den Ansprüchen und der Komplexität unserer heutigen Gesellschaften produktiv umgehen zu können. Dabei hat es diesen Imperativ des selbstbewussten Querdenkens zum Wohle der Menschheit schon immer gegeben, denn seit jeher ist der Mensch darauf bedacht, seinen Lebensalltag durch ein beständiges Nörgeln am Status Quo zu verbessern. Infolgedessen nimmt der sich stetig selbst optimierende Mensch im Rahmen der Digitalisierung nach und nach hybride Züge an, während sein Alltag immer digitaler wird. Im Sinne des aktuellen Technologie-Trends der Human-Augmentation streben einige Menschen sogar danach, ihre Fähigkeiten durch den Einsatz von Medizin, Technik und Wissenschaft kontinuierlich zu erweitern bzw. zu verbessern. Doch auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen wie unter anderem dem Gesundheitswesen (Stichwort: „Smart Hospital“) oder im Klima- und Umweltschutz (Stichwort: „CO2-Neutralität“) könnten mithilfe von disruptivem Denken und radikal neuen Technologien bahnbrechende Veränderungen erreicht werden. Bieten uns disruptive Innovationen nun mehr Chancen oder Risiken? Diese Frage soll nachfolgendes Video beantworten:

Wir sollten in Deutschland die Chancen, die uns neue disruptive Technologien ermöglichen, sowohl erkennen als auch nutzen. Dies können wir bedenkenlos tun, wenn wir gleichzeitig vernünftig mit den Risiken umgehen. Damit wir die digitale Transformation besser gestalten können, müssen wir also nicht ins Silicon Valley ziehen, denn diese beginnt bereits in unseren Köpfen. Lassen Sie uns daher gemeinsam ein disruptives Mindset stärken, um weltweit bessere Standards zu schaffen, die durch normale Innovationen so kaum möglich wären.

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