Trendsetter Silicon Valley – 5 Erkenntnisse, von denen deutsche Unternehmen profitieren können

Straßenzufahrt zur Skyline von San Jose im Silicon Valley

Egal, ob Apple, Facebook, Google oder Microsoft – unser Alltagsleben wird geprägt von Firmen aus dem Silicon Valley. Neben großen IT-Konzernen sollen dort außerdem noch bis zu 60.000 Startups tätig sein. Die meisten von ihnen überleben jedoch angeblich nicht länger als ein Jahr. Die Lebensbedingungen dort sind hart, die Kapitalgeber sind launisch. Woher kommt also der Hype um das Silicon Valley? Der Grund ist seine Fähigkeit, Innovationen in Rekordzeit zu produzieren. Hierfür bedient es nicht nur die klassischen Bedürfnisse von Konsumenten, sondern erschafft auch gerne völlig neue Absatzmärkte. Viele Unternehmen im Silicon Valley sind stark miteinander verwoben – zu ihrem Vorteil. Was sie antreibt, ist eine Reihe von Verhaltensweisen und Überzeugungen, von denen auch deutsche Betriebe profitieren können.

Ein Olymp für ambitionierte Visionäre

Von Brünn über Israel bis Shenzhen – Wirtschaftszentren auf der ganzen Welt haben den Anspruch, irgendwann das neue Silicon Valley werden zu können. Auch deutsche Städte wie Bremen, Dresden und Köln schmückten sich bereits mit diesem Titel. Doch kann man den weltweit bedeutendsten Hightech-Standort einfach nachbauen? In den großen Konzernen des Santa Clara Valley gibt man sich sicherlich selbstbewusst: So schnell wird niemand das Silicon Valley rekonstruieren können. Schließlich sind es die einzigartigen Verflechtungen komplementärer Akteure und das ungewöhnliche Mindset, welche seinen Erfolg ausmachen. Von ihrem Mindset kann man jedoch sehr wohl einiges kopieren.

Team mit ungewöhnlichem Mindset arbeitet mit den neuesten Technologien und Arbeitsmethoden im Silicon Valley

Führende deutsche Wirtschaftsköpfe betonen regelmäßig, dass es nicht reiche, sich dem Silicon Valley anzupassen, denn man müsse es vor allem kapieren. Unterschwellig schwingt hier die Angst mit, Deutschland könnte im internationalen Wettbewerb langfristig abgehängt werden. Tatsächlich können deutsche Firmen vom Silicon Valley so einiges lernen. Wohl am auffälligsten ist dessen Offenheit für außergewöhnliche Ideen, aber auch dessen Abhängigkeit von externen und internen Geldgebern. Denn ohne Business-Angel und Risikokapital funktioniert südlich der San Francisco Bay Area kaum noch etwas. Doch das Silicon Valley gibt uns noch mehr Inputs zum Überdenken. Im Nachfolgenden sollen die 5 wichtigsten Erkenntnisse zusammengetragen werden.

  1. Erkenntnis: Fehler werden in Kauf genommen
  2. Im Silicon Valley erhält jede Firma bzw. Person eine zweite oder dritte Chance. Fehler zu machen, gehört hier zum Tagesgeschäft. Anstatt Fehlschläge und Patzer zu stigmatisieren, befürwortet man eine Kultur des Ausprobierens. Infolgedessen wird Erfolgen im Allgemeinen viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt als Misserfolgen. Der Hintergrund: Im Silicon Valley herrscht ein schnelles Arbeitstempo. Eine progressive Fehlerkultur sorgt im Berufsalltag für die nötige Handlungssicherheit und kann dadurch unerwartete Potenziale freisetzen.

  3. Erkenntnis: Das Personal muss motiviert und sozialverträglich sein
  4. Gemäß der Mentalität „Hire slow and fire fast“ wird im Silicon Valley viel Geld und Zeit für das Anwerben der besten Mitarbeiter investiert. Wer hier für ein Unternehmen arbeiten möchte, muss üblicherweise eine erkennbar hohe Eigenmotivation mitbringen. Im „War for Talents“ gewinnen ferner diejenigen Kandidaten, die außerdem noch ein hohes Maß an sozialer Kompetenz aufweisen und optimal zur Firmenkultur zu passen scheinen. Letztendlich begünstigt eine ausgeprägte Kompatibilität mit der Unternehmenskultur auch eine langfristige Betriebszugehörigkeit des potenziellen Mitarbeiters.

    Motiviertes und hart arbeitendes Team aus dem Silicon Valley

  5. Erkenntnis: Einzigartige Unternehmenskulturen wirken wie Magneten
  6. Sei es die hohe Eigenständigkeit von Arbeitenden, die lockere Arbeitskleidung, die flachen Hierarchien oder die einfachen Umgangsformen – das Silicon Valley gilt in vielerlei Hinsicht als Trendsetter für die Arbeitswelt. Hier steht die Leistung im Zentrum. Flexible digitale Arbeitsplätze und eine fehlende Zeiterfassung unterstreichen dies. Der Leistungsdruck ist jedoch hoch. Dafür soll es dem Angestellten an nichts fehlen. Denn nur in Firmen, die außergewöhnliche Unternehmenskulturen etablieren, kommen und bleiben die besten Talente. Neben speziellen Events und Incentives wird den Beschäftigten nahezu alles, was sie von der Arbeit ablenkt, abgenommen: Firmeneigene Arztpraxen, Drogerien, Sport- und Wellness-Einrichtungen sowie Waschsalons gehören zum Standard-Repertoire vieler IT-Riesen an der US-Westküste.

  7. Erkenntnis: Veränderungen werden durch hohe Ziele angestoßen
  8. Neue Geschäftsmodelle sollten im Silicon Valley idealerweise disruptiv sein – das heißt, sie sollten möglichst radikal sein und andere Geschäftsmodelle vom Markt verdrängen. Veränderungen werden somit vor allem als Chance wahrgenommen. „Think big and act fast“ lautet die Devise. Damit der große Hunger nach Veränderung, wie ihn das Handelsblatt nennt, gestillt werden kann, bedarf es einer ordentlichen Portion Idealismus – gepaart mit optimistischen Zielsetzungen – als Beschleunigungsfaktor. Innovationen sollen somit schneller zutage gefördert werden.

  9. Erkenntnis: Ohne Vernetzung und Kooperation geht man unter
  10. Wer erfolgreich sein möchte, kooperiert im Silicon Valley – auch mit der Konkurrenz. Der Vorteil: Kreative Köpfe, Investoren und Absatzmärkte liegen im Gebiet des Santa Clara Valley und durch das nördliche San Francisco dicht beisammen. Durch den gezielten Aufbau von Netzwerkstrukturen erhalten Firmen im Silicon Valley Zugang zu nützlichen Kontakten und Wissen. Dadurch werden Innovationen begünstigt und Wertschöpfungsprozesse beschleunigt. Ferner sind vernetzte Unternehmen hinsichtlich der Zukunft resilienter. Besonders Links zwischen bislang noch unverbundenen Bereichen sind vielversprechend.

Silicon Valley Business Netzwerk dargestellt durch blauen Faden und Nägel

Eine Alles-oder-Nichts-Mentalität als Zukunftsvision?

Arbeit und Freizeit scheinen im Silicon Valley komplett zu verschwimmen, während ein hohes Arbeitstempo und permanente Erreichbarkeit das dortige Arbeits- und Lebensgefühl ausmachen. Welche Schlüsse ziehen wir daraus? Fest steht: Das Silicon Valley gibt uns Einblicke in die Arbeits- bzw. Lebenswelt von morgen und Vieles spricht dafür, dass diese kompetitiver und unsicherer werden könnte, während für das Individuum gleichzeitig neue Chancen zur Selbstverwirklichung entstehen. Das Silicon Valley wird den deutschen Unternehmen wohl auch weiterhin die Richtung weisen. Doch wenngleich man natürlich nicht jedem Trend Folge leisten muss, sollte man dennoch im Hinterkopf behalten: Im Tal der IT-Riesen heißt es „The winner takes it all“. Doch wer steht letztendlich auf der Gewinner- und wer auf der Verliererseite?

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