Technologietrends 2020: Human Augmentation – Was bereits möglich und was noch Zukunftsmusik ist

Nahaufnahme einer Smartwatch am Handgelenk

Spätestens im Rahmen der Industrialisierung begann der Mensch, sich und sein Leben mithilfe von Technik und Wissenschaft stetig zu optimieren. Alltägliche Hilfsmittel wie beispielsweise Brillen oder Hörgeräte wurden nach und nach erfunden, um seine Fähigkeiten zu verbessern. Im Zeitalter der Digitalisierung nehmen die Optimierungsbestrebungen des Menschen jedoch gänzlich neue Dimensionen an: Der Mensch wird zunehmend hybrid, da er mit der digitalen Technik allmählich zu verschmelzen scheint. Von „Human Augmentation“ bzw. „Human Enhancement“ ist die Rede, wenn menschliche Fähigkeiten erweitert bzw. verbessert oder deren Leistungsfähigkeit gesteigert werden sollen – durch den Einsatz von Medizin, Technologien oder Wissenschaft. Und die Zukunft klingt diesbezüglich recht positiv: Das Marktforschungsunternehmen Gartner prognostiziert, dass im Jahre 2020 der Fokus technischer Innovationen vor allem darauf liegen werde, was neue Technologien im Einklang mit dem Menschen erreichen können und nicht, wozu sie ohne ihn imstande sind.

Die vielfältigen Wirkbereiche von Human Enhancement

Die Begriffe „Human Augmentation“ und „Human Enhancement“ lassen sich nicht genau definieren, denn prinzipiell zählt bereits jede Art der Produkt- bzw. Techniknutzung, welche die menschlichen Fähigkeiten erweitern oder leistungssteigernd wirken soll, dazu. Auch im Jahre 2020 sei der Trend zur technischen Selbstoptimierung laut dem Marktforschungsunternehmen Gartnerneben anderen Technologietrends – ungebrochen populär. Die Befürworter von Human Augmentation bezeichnen diese Entwicklungen als anthropologische Konstante – demnach liege es in der Natur des Menschen, sich fortwährend optimieren zu wollen. Seine Kritiker hingegen stufen die Erweiterung bzw. Verbesserung menschlicher Handlungskapazitäten als bedenkliche Manipulationen am menschlichen Individuum herab.

Nahaufnahme eines Mikrochips

Doch – jeder Verallgemeinerung zum Trotz – der Anwendungsbereich von Human Enhancement ist groß und reicht von einfachen (heutzutage sehr beliebten) Wearables bis hin zu futuristisch anmutenden DNA-Modifikationen. Während viele Technologien bereits existieren, sind andere noch Zukunftsmusik. Zu den aktuell bekanntesten gehören:

  • „Bodyhacking“ Implantation von Mikrochips
  • Doping zum Wohle der Denkfähigkeit, Fitness und Gesundheit
  • Prothetische Stabilisierung von Extremitäten und Körperfunktionen
  • Sensorische Erweiterung von Hör- bzw. Sehvermögen

Zu den Technologien, die sich derzeit noch in der Entwicklung befinden, zählen unter anderem sämtliche Computer-Gehirn-Kopplungen wie beispielsweise die bahnbrechende Vision der „Whole Brain Emulation“. Andere zukunftsweisende Ansätze sind das sogenannte „Genome Editing“ sowie das darauf aufbauende „3D-Bioprinting“. Hierbei wird deutlich, dass auch im Bereich des menschlichen Erbguts Wege gesucht werden, um dieses nachhaltig zu optimieren. In absehbarer Zeit könnte ein 3D-Biodrucker womöglich dazu beitragen, einzelne Zellen oder vielleicht sogar ganzes menschliches bzw. tierisches Gewebe herzustellen – und zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht auch ganze Organe. Der technische Fortschritt scheint hierbei keine Grenzen zu kennen.

Modell eines künstlichen Herzen

Beweggründe und Grenzen der technologischen Selbstoptimierung

Human Augmentation bzw. Human Enhancement mache den Menschen langfristig gesünder, leistungsfähiger und stressresistenter – zumindest behaupten dies deren Verfechter. Und in der Tat sind die neuen Möglichkeiten faszinierend. Es wird sich zeigen, welche neuen Erkenntnisse die nächste „Augmented Humans“-Konferenz, welche im März dieses Jahres in Kaiserslautern stattfinden wird, zusammentragen wird. Was jedoch unbestreitbar bleibt, ist die Tatsache, dass es beim Human Enhancement die verschiedensten Anwendungsgründe gibt: Restaurative, therapeutische und auch rein private. Kritische Stimmen missbilligen vor allem die medizinisch nicht notwendige Selbstoptimierung. Der Übergang von therapeutischer zu nichttherapeutischer Technik verläuft jedoch nicht selten fließend. Während AR- und VR-Geräte zweifelsohne spielerische Gadgets sind, so weist ein Fitness-Armband oder eine Smartwatch üblicherweise einen gesundheitsrelevanten Mehrwert auf. Nebenbei machen diese neuen Technologien die Welt für alle Menschen zugänglicher – nicht nur für die körperlich eingeschränkten.

Wenn es um den Einsatz von moderner Technik in Unternehmen geht, kommen nicht selten Ängste bezüglich einer möglichen Automatisierung von Arbeitsplätzen auf. Ein Trugschluss, denn schließlich können die neuen Technologien den Beschäftigten in vielerlei Hinsicht helfen. Beispielhaft zu nennen sind hier unter anderem die vielerorts bereits verwendeten Exoskelette, die ihre Träger beim Arbeiten in unbequemen Positionen bzw. beim Heben schwerer Lasten unterstützen.

Experimente mit künstlichen Körperteilen in einem Untergrundlabor

Außerdem gibt es Menschen, die sogar noch einen Schritt weitergehen – so zum Beispiel Dr. Patrick Kramer, Unternehmensgründer und Vorreiter im Bereich Bodyhacking. Er ist der Beweis dafür, dass man unter der Haut bereits seinen Auto- und Haustürschlüssel sowie seine Gesundheits- und Kreditkarte tragen kann. Und er ist nicht allein, denn weltweit gäbe es schon mehr als 50.000 Menschen, die Mikrochips in sich tragen. Das hybride Individuum ist somit Realität geworden. Nichtsdestoweniger bleibt aktuell noch ungeklärt, wie es bei solchen Mikrochips um den Datenschutz bestellt ist. Ebenso fehlt es noch an Kontrollinstanzen und gesetzlichen Regelungen, um Missbrauchsfälle zu vermeiden. „Human Augmentation“ klingt somit zweifelsfrei vielversprechend. Manche Technologien sind jedoch wohl eher noch mit Vorsicht zu genießen.

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