Strukturwandel der Berufslandschaft 2.0 – Wie sich der Corona-bedingte Prioritätenwechsel nachhaltig nutzen lässt

Strukturwandel der Berufslandschaft: Eine Hand macht aus dem Schriftzug Change Chance

Automatisierte Lösungen lohnen sich nur, wenn der zu erwartende ROI positiv ist. Angesichts des Corona-bedingten Booms digitaler Arbeitsplätze, des E-Commerce und der regionalen Produktion fällt die Rendite automatisierter Arbeitsprozesse immer höher aus. Denn mittlerweile hat Corona auch dem sich abzeichnenden Strukturwandel der Berufslandschaft nachhaltig seinen Stempel aufgedrückt. Von diesem Wandel betroffen sind längst nicht mehr nur Jobs in der Fertigung, in der Fertigungstechnik oder in der Logistik, sondern nun auch vor allem B2B-Dienstleistungen und kulturelle Berufe. Es ist anzunehmen, dass diese Entwicklung die deutsche Wirtschaft auch in der Post-Corona-Erholungsphase beschäftigen wird. Für Unternehmen stellt sich daher die Frage, ob sie bereit sind, diesen Trend mit einer qualifizierten Belegschaft anzuführen oder sich ihm lediglich passiv zu beugen.

Auch in Sachen Automatisierung verschiebt Corona die Prioritäten

Bereits lange vor Corona sprach die Bundesagentur für Arbeit von einem hohen Ersetzbarkeitspotenzial von Berufen in der Fertigung bzw. in der Fertigungstechnik sowie von Logistik- und Verkehrsberufen. Schon damals zeichnete sich ab, dass der Strukturwandel der Berufslandschaft nicht aufzuhalten ist. Doch während einst noch vor allem kulturelle und soziale Dienstleistungsberufe sowie Gesundheits- und Sicherheitsberufe als nachhaltig krisensicher galten, hat sich deren Status nun durch Corona maßgeblich verändert.

Schwebender Regenschirm unter einer Wolke

In aktuellen Prognosen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht man davon aus, dass langfristig insbesondere Gastronomen und Unternehmensdienstleister einen geringeren Arbeitskräftebedarf haben werden, während den stärksten Rückgang an Arbeitsplätzen womöglich folgende Berufsbereiche verzeichnen werden:

  • Hotellerie & Tourismus
  • Logistik & Verkehr
  • Schutz & Sicherheit
  • Vertrieb & Warenhandel

Diese Prognose überrascht nicht. Im Gegenzug geht das IAB, eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, in ihrem aktuellen Forschungsbericht über die langfristigen Folgen der Pandemie für die Wirtschaft davon aus, dass Gesundheitsberufe, IT-Berufe sowie soziale Berufe und Verwaltungsberufe in der Zukunft einen vermutlich höheren Arbeitskräftebedarf haben werden. Auf das Substituierbarkeitspotenzial dieser und anderer Berufsfelder wird auch die KI-Technologie letztlich einen maßgeblichen Einfluss haben. Schließlich wäre eine fortgeschrittene KI dazu in der Lage, nahezu alle Lebensbereiche zu revolutionieren und damit auch jene Jobs zu ersetzen, die laut IAB-Prognose von der Automatisierung (bisher noch) verschont bleiben. So kommt KI beispielsweise schon seit Längerem beim Designen, bei der Fotografie und bei der Musikproduktion zum Einsatz. Ferner könnte sie in absehbarer Zeit auch vermehrt in Rechtskanzleien – unter anderem als sogenannte „Legal Chatbots“ – oder in der öffentlichen Verwaltung Verwendung finden. Am Ende des Tages ist nicht mehr nur der Grad der Qualifikation entscheidend, ob ein Beruf oder Teile davon der Automatisierung „zum Opfer fallen“, sondern auch der Grad der „Home-Office-Tauglichkeit“ und auch die allseits erwähnte „Systemrelevanz“. Auch in Sachen Automatisierung hat Corona somit die Prioritäten verschoben. Unternehmen bleibt folglich nichts Anderes übrig, als sich strategisch nach diesem Trend auszurichten und ihre Belegschaften an die jeweils neuen Qualifikationsanforderungen anzupassen.

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Strukturwandel der Berufslandschaft: Den Trend aktiv gestalten oder sich ihm nur passiv beugen?

Wenn es um die Gestaltung unserer Zukunft geht, hat die Automatisierung – in Zusammenarbeit mit der Deep-Learning-Technik von morgen – ein enormes Potenzial. Sie kann Unternehmen sowohl dabei helfen, den krisenbedingten Anpassungsdruck besser zu meistern, als auch Effizienzgewinne sowie unerwartete Quick Wins bereitstellen. Sie vereinfacht das Befolgen von Abstands- und Hygieneregeln ebenso wie die Regionalisierung der Produktion und von Lieferketten. Ferner ermöglicht sie es, Leistungen zu standardisieren und crossfunktionale Kollaboration zu verbessern. Aufseiten der Belegschaft sind hierfür jedoch zunächst Vorurteile abzubauen und neue fachliche Kompetenzen aufzubauen. Dass es gegenüber der Automatisierung grundsätzlich noch viele Vorbehalte gibt, zeigten unter anderem die Wahlkampfauftritte des Präsidentschaftskandidaten Andrew Yang, in denen er eine sogenannte „Freiheitsdividende“ für jeden US-Bürger forderte. Ein solches Grundeinkommen soll die Folgen einer zunehmend automatisierten Berufslandschaft abmildern. Ob dieses jedoch Menschen dazu befähigt, die Gestaltung ihrer Zukunft prospektiv in Angriff zu nehmen, bleibt nicht unbestritten. Sicher ist hingegen, dass automatisierte Robotik- und KI-Lösungen den Menschen von morgen – und sogar bereits von heute – immer mehr Möglichkeiten bereitstellen, Arbeitsbedingungen zu optimieren und sich verstärkt auf wertschöpfende Arbeit zu konzentrieren.

Junge Fau im Home Office

Arbeitsplätze verschwinden nicht einfach, sie würden sich laut Susanne Bieller von der International Federation of Robotics (IFR) durch den Einsatz von Robotik lediglich verschieben – beispielsweise in die Bereiche Marketing, Service und Verkauf. Des Weiteren verschieben sich häufig auch die Tätigkeitsprofile innerhalb von Jobs. Aus diesem Grund sind Weiterbildungsmaßnahmen wichtiger als jemals zuvor. Schließlich wird ohne qualifiziertes Personal die Automatisierung – ebenso wie die Digitalisierung – Deutschlands nachhaltig auf der Stecke bleiben. An dieser Stelle stehen Politik und Wirtschaft gleichermaßen in der Verantwortung, zukünftige Arbeitskräfte an die Ansprüche der Welt von morgen anzupassen. Zum Beispiel könnte man die Lehrpläne für Ausbildung und Schulwesen überarbeiten, so Bieller. Unternehmen sollten wiederum stärker in Weiterbildungen investieren und mehr Multi-Stakeholder-Dialoge führen. Bisher führt die Bundesrepublik den „Automation Readiness Index“ europaweit noch an, was vor allem dem Automatisierungsgrad der deutschen Automobilindustrie zu verdanken ist. Damit dies auch weiterhin so bleibt, brauchen wir in Deutschland mehr Unternehmen mit Macher-Mentalität. Hierfür sollten wir weniger nach Problemen suchen als vielmehr nach Lösungen, die uns die Automatisierung bieten kann.

Wir machen aus Talenten Experten.

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