Ein Leben mit der Unsicherheit – Wie eine Pandemie ganze Gesellschaften
verändern kann

Mann kauft zur Zeit der Corona Pandemie ein er schaut auf sein Smartphone

Wenngleich sie den Menschen in jeweils unterschiedlichem Ausmaß gefährden, sind Pandemien – sei es zum Beispiel die Spanische, die Asiatische oder die Schweine-Grippe – für unsere Welt nichts Neues. Die rasche Ausbreitung des COVID-19-Virus jedenfalls wird der deutschen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Die modernen Kommunikationsmedien tragen ihren Teil dazu bei. Seit jeher beeinflusste die Bekämpfung von Pandemien die Arbeits- bzw. Lebensweise ganzer Gesellschaften. Im Rahmen der gegenwärtigen Krise wurde den deutschen Bürgern in kürzester Zeit eine neue und unbequeme Realität mit ungewissen Aussichten aufgedrängt, die viele von ihnen dazu zwingt, sowohl in der Arbeitswelt als auch in der Bildungs- und Privatwelt zu improvisieren. Wir sind nun allesamt Teil eines großen gesellschaftsübergreifenden Krisenexperiments. Die Corona-Krise beschleunigt diesbezüglich Entwicklungen, die erst in ferner Zukunft erwartet wurden. Darüber hinaus treten jetzt auch gesellschaftliche und wirtschaftliche Problemstellungen deutlicher hervor, die uns auch Chancen zum Wachstum bieten.

Isolations- und Polarisierungstendenzen auf mehreren Ebenen

„Es wird vielleicht nie wieder eine bessere Gelegenheit geben, um globale Probleme anzugehen und zu lösen“, so Markus Steilemann, CEO des Werkstoffherstellers Covestro, in einem Gespräch mit der News-Plattform Business Insider Deutschland. Der Hintergrund: Ungünstige Entwicklungen und Sachverhalte, die vorher weitestgehend im Verborgenen wirkten, werden in der aktuellen Krise sichtbarer. Dies gilt für nahezu alle Lebensbereiche. Befeuert wird die Sichtbarkeit dieser Problemstellungen durch die modernen Kommunikationsmedien, welche nicht selten auch zu infodemischen Berichterstattungen beitragen. Doch anstatt zusammenzuarbeiten, weist das Verhalten Europas und der Vereinten Nationen derzeit vielmehr darauf hin, dass sich die einzelnen Staaten isolieren und auf ihre nationalen Interessen konzentrieren. Zwar gab es bereits vor der Krise Tendenzen zur weltweiten Deglobalisierung, doch könnten sich diese nun durch die Zentralisierung von Wertschöpfungsketten noch weiter verstärken. Es wird sich zeigen, inwieweit die Weltgemeinschaft langfristig dazu in der Lage ist, sich den manifest gewordenen weltweiten Problemen gemeinsam zu stellen.

Virologe untersucht den Planeten Erde

Neben den internationalen Abgrenzungstendenzen gibt es derzeit auch einen Trend zur inländischen Abschottung – egal, ob bundeslandspezifisch, regional oder lokal. Dies liegt auch daran, dass gefährliche Krankheiten, die sich schnell ausbreiten, immer auch zu einer extremen Polarisierung von Gesellschaften führen würden, so der Historiker Malte Thießen. Die Menschen leiden unter dem wahrgenommenen Kontrollverlust sowie der ungewissen Zukunft und suchen daher nach allerlei Individuellen und gelegentlich auch irrationalen Lösungsansätzen. Während sich zum Beispiel manche Bürger den aktuellen schwedischen Sonderweg in Sachen Corona auch für Deutschland wünschen, fürchten sich andere wiederum vor zu schnellen Lockerungen und favorisieren hingegen einen noch stärkeren Staat. Die Corona-Krise verstärkt demnach nicht nur alte Konfliktfelder, sondern begünstigt gleichzeitig die Entstehung neuer Spannungslinien. Viele Lobbyisten ergreifen daher nun die Chance, ihre politischen Ziele in den teilweise verunsicherten staatlichen Gremien durchzusetzen. „Business as usual“ hat somit auf mehreren Ebenen bis auf Weiteres ausgedient – auch im Bildungswesen und in der Wirtschaft.

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Neuorientierungen in der Arbeits-, Bildungs- und Privatwelt

In der aktuellen Corona-Krise gibt es eine ganze Reihe von Heldinnen und Helden, die an vorderster Front gegen das Virus kämpfen bzw. in systemrelevanten Bereichen (die Liste des Bundes ist beliebig erweiterbar) arbeiten. Dies wird dazu führen, dass so manches Berufsbild aufgewertet wird. Dazu gehört unter anderem auch die Arbeit von Müllabfuhren oder Supermarkt-Personal. Andere Berufsfelder hingegen müssen sich vielleicht grundsätzlich umgestalten – auch weil das allgemeine Konsumklima bzw. Konsumverhalten sich verändert hat. So zum Beispiel bleibt abzuwarten, inwiefern sich die Eventmarketing-, die Flug- oder auch die Tourismus-Branche in absehbarer Zeit von der Krise erholen können. Bis dahin stehen zahlreiche Arbeits- und Ausbildungsplätze auf dem Spiel, was sicherlich auch dazu führen wird, dass sich einige Beschäftigte und interessierte Anwärter eigenständig beruflich umorientieren werden. Bei sämtlichen dieser Neuorientierungen wird vor allem die Digitalisierung eine wesentliche Rolle spielen – im Bildungsbereich auch bei den Schulen. Diese müssen sich womöglich auf ein hybrides Schuljahr 2020/2021 mit Unterricht sowohl in der Schule als auch von Zuhause aus einstellen.

Junges Mädchen nimmt während der Corona Pandemie am Online Unterricht teil

Die weltweit zu beobachtenden Tendenzen der Abschottung werden wahrscheinlich auch Auswirkungen auf das soziale Miteinander in unserer Gesellschaft haben. Dies wäre auch deswegen möglich, weil die Angst vor dem Coronavirus und die damit einhergehenden Maßnahmen zur sozialen Distanzierung sowie die Maskenpflicht uns womöglich noch für längere Zeit begleiten werden. Die meisten Menschen werden daher vermutlich auch in Zukunft einander eher auf Distanz begegnen wollen, solange die Infektionsgefahr weiterhin latent besteht. Das neue Lebensgefühl und das Vertrauen der Menschen zueinander könnte auch durch die Einführung einer sogenannten „Corona-Warn-App“ beeinflusst werden. Diese soll über das Handy eines Nutzers die Bewegungen desselbigen erfassen und Sozialkontakte in der Nähe identifizieren. Doch bereits der Diskurs über die Einführung einer solchen App könnte die Polarisierung unserer Gesellschaft weiter anfeuern. Bei allen theoretischen Diskussionen sollten wir jedoch nicht vergessen, dass unsere Zukunft auch davon abhängig sein wird, wie wir in dieser Krise schon heute mit unseren Mitmenschen umgehen. Bis wir uns an die neuen Verhältnisse gewöhnt haben, sollten wir daher niemals den Blick für das Positive verlieren.

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