Die Zukunft der Weiterbildung – Kurzfassung des LEARNTEC Vortrags 2022

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Thomas Gebhardt LEARNTEC Vortrag

Wer im 21. Jahrhundert beruflich erfolgreich sein möchte, muss sich weiterbilden. Doch bisherige Weiterbildungsformate werden nicht allen Menschen gleichermaßen gerecht. Wie lassen sich diese also noch besser gestalten? Hier die Kurzfassung meines Vortrags auf dem LEARNTEC Kongress 2022.

Wie schon Henry Ford sagte: „Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist“. Bereits Ford wusste, dass sich unsere Welt rasch verändert und wir mit ihr Schritt halten müssen. Das heißt, wir müssen uns weiterbilden. Die Zukunft der Weiterbildung ist vielversprechend: Angefangen mit Lernen im Metaversum bis hin zum Lernen mit Gehirnscreening. Unsere Aufmerksamkeit sollten wir jedoch vielmehr Weiterbildungsformaten widmen, die uns nachhaltig zum Lernen motivieren. Insbesondere wer Verantwortung für Andere hat, sollte sich im Klaren sein: Erfolgreiche Weiterbildungsformate machen es dem Lernenden so einfach wie möglich, sie zu nutzen.

Wir brauchen Formate, die Future Skills an jeden vermitteln können

Im Jahre 2022 sehen wir sehr deutlich, wie fragil die Zukunft des Zusammenlebens in Deutschland, Europa und auf der Welt ist. Die „Spielregeln“ für Wirtschaft und Gesellschaft ändern sich ständig. Um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, brauchen wir daher sogenannte „Future Skills“. Auf diese Skills sind alle Menschen gleichermaßen angewiesen. Deswegen müssen wir uns diese in Form von Weiterbildungsmaßnahmen aneignen. Am besten gelingt dies mithilfe von Lernformaten, die hyperpersonalisierbare Lern-Flows ermöglichen. Das heißt im Klartext, dass wir Folgendes brauchen:

  • Formate, welche für jeden Menschen in jedem Lebensalter und in jeder Lebenssituation leicht zu erschließen und leicht zugänglich sind,
  • Formate, die uns Motivation vermitteln und einen optimalen Lern-Flow begünstigen,
  • Formate, die digital verfügbar und in kleine Portionen aufzuteilen sind,
  • Formate, welche Mikro-Zertifikate wie beispielsweise „Open Badges“ nutzen, damit sich Lernerfolg leichter nachweisen lässt.

Sämtliche Weiterbildungsformate werden dabei umso erfolgreicher sein, je mehr Spaß sie machen und je besser sie die Lernenden zum Lernen ermutigen.

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Die kombinierte Power von Gamification, Nudging und Open-Badges

Um Future Skills im Rahmen von Weiterbildungsmaßnahmen für alle Menschen zugänglicher zu machen, helfen psychologische Tricks. Am effektivsten sind Mikro-Learning-Formate, die durch spieltypische Elemente individuellere Lernerlebnisse ermöglichen (→ Gamification). Warum? Weil der Mensch bequem ist und gerne spielt. Weiterbildungsformate, die dies beherzigen, begünstigen ein erhöhtes Flow-Erleben beim Lernen. Derartige Formate trumpfen dann mit einem starken visuellen Content oder einer einfachen Bedienbarkeit auf. Beispielhaft steht hierfür das Spiel Minecraft – eine 3D-Welt aus Blöcken, die sich hervorragend als Baukasten für kreative Lernumgebungen eignet. Zuvor müssen jedoch Lernende zunächst motiviert werden, sich in eine Lernsituation zu begeben. Hierfür können kleine „Stupser“ sehr hilfreich sein.

Den meisten Menschen ist nicht bewusst, mit welcher Regelmäßigkeit Dinge in ihrem Alltag so angeordnet werden, damit sie auf deren Entscheidungsfindung Einfluss nehmen. An dieser Stelle spricht man von „Nudges“ (englisch für „Stupser“), die uns auf natürliche Weise dazu bringen, in den verschiedensten Entscheidungssituationen die vermeintlich attraktivste Option zu wählen. Tatsächlich ist die Verwendung solcher Nudges nicht nur legitim, sondern auch unter anderem vonseiten der Wirtschaft, der Politik und der Medien im Alltag erprobt. Auch in Lernsituationen sind sie bisweilen vorhanden – ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt. Warum also sollte man darauf verzichten, gerade Lernumgebungen mit solchen kleinen „Stupsern“ auszustatten?

Menschen orientieren sich bei ihren Entscheidungen häufig an Standards, Normen und Auffälligkeiten. Möchte man die Wirkmechanismen von Nudges komplett ausschöpfen, lohnt es sich, einen Blick auf das sogenannte „MINDSPACE-Modell“ (PDF) zu werfen. Mit dessen Hilfe lassen sich motivationsfördernde Nudges bzw. Nudge-ähnliche Settings ableiten, die Lernprozesse optimieren können. So könnte man zum Beispiel:

  • Abzeichen erhalten für erreichte Lernmeilensteine (innerhalb der Firma),
  • Erlebnisse schaffen durch Lernen in attraktiv gestalteten Umgebungen,
  • Feedback erhalten (in regelmäßigen Gesprächen mit Lernbegleitern),
  • Lernziele setzen und begründen (in Absprache mit Lernbegleitern),
  • Probleme im Berufsalltag bewältigen durch passenden Lernstoff,
  • Punkte sammeln für absolvierte Lerneinheiten,
  • Ranglisten hinaufklettern mit Belohnungsaussicht,
  • Vorgaben zum Austausch befolgen bzw. Timeboxing für mehr kollegiales Lernen im Arbeitsalltag einführen:
    • Learning des Tages“ – ein virtueller Ort, wo Mitarbeiter unkompliziert persönliche Erkenntnisse im eigenen Lernprozess teilen können
    • Learning-Events“ – gemeinsames Spielen von Lernspielen
    • Lern-Tandems“ mit ausgewählten Kollegen zu festen Zeiten
    • Lunch & Learn“ – Lernen mit Impulsvortrag und Diskussion in ungezwungener Mittagspausen-Atmosphäre

Nicht nur das Lernen wird leichter, sondern auch das Nachweisen von Lernerfolgen – beispielsweise durch Mikro-Zertifikate wie „Open-Badges“. Diese beinhalten Metadaten, die als eine Art Gütesiegel für erreichte Lernerfolge fungieren. Dazu gehören Ausstelldatum, Informationen über Empfänger und Herausgeber des Badges sowie über konkret erbrachte Leistungen. Für Unternehmen könnte es sich sogar lohnen, eigene Open-Badge-Standards in Zusammenarbeit mit anderen Firmen, staatlichen Organisationen und Blockchain-Experten zu entwickeln.

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Die Rolle der HR in Weiterbildungsfragen

Ob sich konkrete Weiterbildungsformate wie Apps, Module oder Plattformen für eine Firma eignen, sollte die Aufgabe von HR-Abteilungen sein. Idealerweise probiert sie diese zunächst selbst aus und gibt im Anschluss Empfehlungen ab. Ebenso könnte die HR als eine Art „Lernprozessbegleiter“ fungieren, um Mitarbeitern bei ihren Weiterbildungsbemühungen zur Verfügung zu stehen. Ferner sollte sie – fachliche Eignung vorausgesetzt – auch die Rolle eines „Lernkurators“ übernehmen, der nach passgenauen Lernressourcen sucht, zusammenstellt und individuell sowie kollektiv zugänglich macht. Dieser Prozess lässt sich durch das Einholen regelmäßiger Verbesserungsvorschläge vonseiten der Lernenden optimieren.

Als Rekrutierungs- und Qualifizierungsspezialist und zertifizierter Bildungsträger wissen wir von SPECTRUM die Bedeutung der beruflichen Weiterbildung zu schätzen. Es ist unsere Firmenphilosophie, auf zufriedene Mitarbeiter zu setzen, die ihre Fähigkeiten auch in Krisen-Zeiten produktiv in den Unternehmensalltag einbringen können. Neue Weiterbildungsformate zu etablieren, fördert letztendlich auch die digitale Transformation im eigenen Unternehmen und hilft, als Arbeitgeber langfristig attraktiv, konkurrenzfähig und resilient zu bleiben. Gerne unterstützen wir Sie mit unseren Nachwuchs- und Expertenprogrammen dabei.

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