Künstliche Intelligenz – Freund oder Feind des Fachkräftesuchers?

Eine Roboterhand tippt auf einer Computertastatur

Wenn von „künstlicher Intelligenz“ (→ KI) gesprochen wird, dann geht es üblicherweise um die Nachahmung von intelligentem menschlichem Verhalten. Intelligent können demnach beispielsweise Algorithmen sein, die Krankheitsbilder wie Depression, Krebs oder Parkinson mittlerweile zuverlässiger als ein Arzt erkennen. Andere intelligente Programme können heutzutage wiederum Fahrzeuge auf dem Boden sowie in der Luft autonom steuern, Bild- und Tonaufnahmen glaubhaft fälschen und Menschen lückenlos überwachen. Ob gut oder schlecht, künstliche Intelligenz findet sich auch immer häufiger in unserem Arbeitsalltag – beispielsweise bei der Personalrekrutierung. Was ihr jedoch fehlt, ist nach wie vor der Faktor Mensch: Authentische Gefühle und Empathie gelingen ihr nicht – noch nicht?

Eine kurze Entwicklungsgeschichte der KI

Die Geburtsstunde der künstlichen Intelligenz war die berühmte Dartmouth-Konferenz in Hanover (→ USA) im Jahre 1956. Im Projektantrag hierfür verwendete der Informatiker John McCarthy erstmals den Begriff „artificial intelligence“ – ein gelungener Ausdruck. Das Wort „Intelligenz“, abgeleitet vom lateinischen Begriff “intelligentia”, impliziert, dass ein Mensch seine Handlungen angesichts zu bewältigender Aufgaben bzw. Lebensbedingungen kritisch auszuwählen vermag, wodurch ihm eine gewisse geistige Anpassungsfähigkeit attestiert wird.

Ein Roboter legt einem Menschen einen Verband an.

Bereits in der Antike unterschied man zwei Ebenen geistiger Kompetenzen: Die Bildung einerseits und die Fähigkeit zur erfolgreichen Anwendung des Gelernten andererseits. Intelligent ist also jemand, der insbesondere neue Situationen schnell erfassen und mit diesen effektiv umgehen kann. Gilt dies auch für Maschinen? Der britische Mathematiker und Enigma-Codebrecher Alan Mathison Turing bezeichnete Maschinen als intelligent, wenn sie zu typischen Reaktionen eines intelligenten Wesens auf die ihm gestellten Aufgaben fähig sind. Dies lässt sich selbst heute noch mithilfe des populär gewordenen Turing-Tests überprüfen.

Alles, was das menschliche Gehirn leistet, ist auf irgendeine Weise reproduzierbar – das war das Credo von Marvin Lee Minsky, ebenfalls KI-Pionier. Minsky versuchte deshalb, sämtliche mentale Prozesse Maschinen beizubringen, wodurch er letztendlich Ideen vertrat, die denen des Psychoanalytikers Sigmund Freud ähnelten: Minsky war überzeugt, dass ein Zusammenspiel vieler einzelner sogenannter „Agenten“ unseren Geist konstituiere. Infolgedessen suchte er nach Programmen, die das gesamte Spektrum der menschlichen Intelligenz umfassen und mit der Außenwelt menschenähnlich interagieren sollten. Diese Überlegungen hielt er in seiner Theorie von der „Society of Mind“ fest. Für ihn hatte KI jedoch noch ganz andere Potenziale: Als überzeugter Kryoniker war Minskys Ziel Unsterblichkeit – vorzugsweise durch die Digitalisierung von Gehirnen. Wenngleich derartige Zielsetzungen bis heute noch nicht erreicht wurden, so hat die KI dennoch eine bedeutende Entwicklung zurückgelegt. Intelligente Assistenten wie Alexa oder Siri geben uns nur einen vagen Einblick in die technischen Möglichkeiten der Zukunft.

Amazon Sprachsteuerung Echo Dot.

KI bei der Personalauswahl

Metaanalysen zeigen, dass die Intelligenz ein Persönlichkeitsmerkmal ist, mit dem sich die berufliche Leistung eines Menschen am besten prognostizieren lasse, denn mit zunehmender Intelligenz kann man komplexe Probleme üblicherweise besser erfassen und rationaler durchdenken. Dennoch spielen Intelligenztests beispielsweise beim Recruiting von Führungskräften bisher kaum eine Rolle. Schuld daran ist unter anderem der sogenannte Hierarchie-Effekt“, demnach in der Hierarchie Höherstehende intuitiv als intelligenter eingestuft werden. Hier zeigt sich, dass Menschen fortwährend Wahrnehmungsverzerrungen und mentalen Pfadabhängigkeiten unterliegen – ein Umstand, dem künstliche Intelligenz wirksam begegnen kann. Es ist daher nicht verwunderlich, dass intelligente Technik die Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts nachhaltig umkrempeln wird.

Während zukünftig vermutlich viele Berufe von intelligenter Technik abgelöst werden, wird es dennoch immer Arbeitsstellen geben, welche von KI lediglich unterstützt werden können – dazu gehört auch das Recruiting. Hier kann KI helfen, große Teile des Rekrutierungsprozesses zu automatisieren und somit effizienter zu gestalten, wodurch Personalern mehr Zeit für wichtigere Aktivitäten verbleibt. Algorithmen bzw. sogenannte „Chatbots“ können beispielsweise im Active Sourcing dienlich sein, indem sie auf Jobplattformen nach passenden Kandidaten suchen, diese eigenständig anschreiben und auf Basis gesammelter Daten passende Stellenanzeigen verfassen.

Gesprächsverlauf mit einem Chatbot auf einem Smartphone.

Darüber hinaus können semiautomatische Tools dem Personaler zielgruppenorientierte Formulierungen beim Schreiben eigener Anzeigen vorschlagen. Außerdem gibt es mittlerweile auch Programme, die Lebensläufe auswerten, Bewerbungsgespräche ausmachen, diese selbstständig führen und in der verbalen Interaktion mit Bewerbern Sprachanalysen vornehmen können, aus welchen sie Persönlichkeitsprofile derselbigen erstellen.

Chancen und Grenzen der KI

In puncto KI muss zwischen einer einfachen Automatisierungssoftware für einzelne Prozesse und einem lernfähigen Programm, das mithilfe der sich einverleibten Daten immer selbstständiger Aufgaben erledigen kann, unterschieden werden. Besonders im zweiten Fall kann uns künstliche Intelligenz im Arbeitsalltag die Möglichkeit einräumen, sinnstiftender Arbeit nachzugehen. Damit bedient sie gleichzeitig eine Kernforderung der New-Work-Bewegung. Verwendet eine Firma jedoch fast ausschließlich intelligente Programme – zum Beispiel bei der Personalauswahl –, so kann dies auch negative Konsequenzen für das Unternehmensimage haben. Bewerber lehnen nämlich mehrheitlich nicht nur Chatbots ab, sondern vor allem auch KI zur Persönlichkeitsanalyse. Bei der Fachkräftesuche ist somit Vorsicht geboten, denn der Einsatz von KI bei der Personalauswahl sollte von den Bewerbern natürlich nicht als Geringschätzung eingestuft werden. Aus diesem Grund setzen wir als Recruiting-Experten nach wie vor ganz gezielt auf den persönlichen Kontakt zwischen Bewerbern und Personalverantwortlichen.

Eine ratlose Frau vor einem Smartspeaker.

Was macht Intelligenz letztendlich aus? Die Bandbreite von „intelligentem Verhalten“ ist letztendlich abhängig von kulturellen Wertvorstellungen. Künstliche Intelligenz kann also immer nur bedingt intelligent sein – auch weil sie nur begrenzt handlungsfähig ist: Ihr mangelt es nicht nur an einem Bewusstsein und an Emotionalität, sondern auch an Empathie und Kreativität. In der Arbeitswelt – zum Beispiel im Recruiting – kann KI jedoch eine wertvolle Hilfe sein, wenn es um die Automatisierung einzelner Aufgaben oder auch um die Wahrung von Objektivität bei der Bewerberselektion geht. Es versteht sich von selbst, dass hierbei jederzeit der Datenschutz gewährleistet bleiben muss und auch der persönliche Kontakt zu den Bewerbern nicht fehlen darf. Dass sämtliche Berufe in absehbarer Zukunft von Maschinen ersetzt werden, ist sicherlich zu bezweifeln – wir müssen uns jedoch auf neue Arbeitsabläufe einstellen. Die Frage, wo wir der Technik Grenzen setzen wollen, wird hierbei auch weiterhin eine Rolle spielen.

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