Kritikfähigkeit – Nicht nur austeilen, sondern auch einstecken können

Verschiedene Zeigefinger zeigen tadelnd auf einen nervösen Geschäftsmann in der Mitte

Kritik begegnet uns so gut wie jeden Tag und löst die unterschiedlichsten Emotionen aus. Egal ob für die Schule, die Uni, die Bewerbungsphase oder den Job, der Umgang damit sollte gelernt sein. Doch wie äußert man Kritik richtig und wie geht man damit um?

„Nur wenige Menschen sind klug genug, hilfreichen Tadel nichtssagendem Lob vorzuziehen.“ – François de La Rochefoucauld

Kritik ist also wichtig und nicht dafür gedacht, andere Menschen schlecht zu machen, sondern sie bei ihrer Weiterentwicklung zu fördern.

Kritik richtig formulieren

Die Äußerung von Kritik kann oftmals zu Konflikten führen. Das liegt aber nicht immer an mangelnder Kritikfähigkeit, sondern oftmals auch daran, dass die Kritik nicht richtig verpackt wurde. Bei der Formulierung von konstruktiver Kritik sollte daher auf verschiedene Dinge geachtet werden:

  • Gebe Feedback nur unter vier Augen
  • Achte auf Deinen Ton. Versuche Ruhe zu bewahren und sachlich zu sprechen. Achte auch darauf Deine Emotionen (z.B. Wut und Ärger) zu bündeln.
  • Richte Kritik niemals persönlich aus, sondern immer an der Situation / Sache orientiert.
  • Vergiss nicht im Zuge Deiner Kritik auch etwas Positives zu äußern und nutze die Kritik nicht zur Niedermachung einer Person, sondern zeige Verständnis für Dein Gegenüber.
  • Nenne nicht nur das Verbesserungswürdige, sondern zeige im Zuge dessen gleich auf, wie man an der Verbesserung arbeiten kann.

Sechs ganz unterschiedliche Personen stehen nebeneinander und halten große Sprechblasen aus weißem Papier in den Händen

SPECTRUM Insight: Verhaltensregeln wie diese sind nicht für jeden immer leicht umzusetzen. Gerade für Berufseinsteiger kann der Umgang mit anderen zur Herausforderung werden. Im Rahmen unseres Karriereprogramms schulen wir unsere Trainees daher in Seminaren wie „Auftreten und Wirken“ oder „Team und Konflikt“ zu verschiedensten Soft Skills, um sie bei ihrem Weg in die Berufswelt zu unterstützen.

Kritik richtig annehmen

Wenn konstruktive Kritik geäußert wurde, erwarten vor allem (zukünftige) Arbeitgeber einen professionellen Umgang mit dieser und eine umgehende Einleitung von Verbesserung. Einige wichtige Regeln dafür:

  • Höre aufmerksam zu und lass Dein Gegenüber ausreden.
  • Setze Dich mit dem Gesagten auseinander, anstatt gleich zur Rechtfertigung oder Gegenkritik anzusetzen.
  • Nimm das Gesagte nicht persönlich, sondern sieh es als Hilfe für Dein persönliches Wachstum an und sei dankbar für diesen Rat.
  • Hilf mit bei der Lösung des Problems, indem Du die Kritik in einen Vorschlag zur Behebung weiterentwickelst.

Frau in gelbem Strickpullover steht vor einer weißen Wand und blickt fragend in die Kamera

Unangebrachte Kritik

Du bist nicht dazu verpflichtet jede geäußerte Kritik einfach hinzunehmen und zu akzeptieren. Es kann auch vorkommen, dass Kritik nicht gerechtfertigt erteilt wird – beispielsweise wenn man für etwas kritisiert wird, für das man gar keine Verantwortung trägt. Nimm in diesem Fall nicht einfach die Schuld auf Dich, sondern kommuniziere sachlich, wie die Situation tatsächlich aussieht. Versuche dabei nicht andere Kollegen zu beschuldigen, sondern erläutere lediglich wieso Dich keine Schuld trifft. Um weiterhin einen guten Umgang mit Deinen Kollegen zu pflegen, solltest Du einem Kritikgeber seine ungerechtfertigte, aber auch gerechtfertigte, Kritik außerdem nicht nachtragen.
Es kann auch vorkommen, dass es mehreren Betroffenen nicht gelingt, ihre Wahrnehmungen abzugleichen und sich darauf zu einigen, wer nun Recht hat. In diesem Fall ist es erwägenswert, sich einen Dritten mit ins Boot zu holen, der als Vermittler dient und das Ganze neutral von außen beurteilen kann.

Selbstkritik

Kritik muss nicht immer durch andere Personen erteilt werden. Sie kann auch von Dir selbst an Dich adressiert werden. Es ist empfehlenswert, immer wieder seine eigene Arbeit zu reflektieren und sich zu überlegen, was man noch optimieren könnte. Aber sei dabei nicht zu selbstkritisch! Es gibt nicht immer an allem etwas auszusetzen, sondern manche Dinge sind auch gut so, wie sie sind. Zu viel negative Selbstkritik kann schnell frustrierend sein. Deswegen ist es bei der Äußerung von Kritik wichtig, dass die Waage aus positiver und negativer Kritik mindestens ausgeglichen ist. Wirf dazu auch einen Blick in unseren Beitrag Selbstbewusstsein für Bewerbung und Job – Wie es Dich weiterbringt.

Mann im karierten Hemd blickt mit dem linken Auge durch eine Lupe

Kritik am Chef: Schweigen ändert nichts

„Kritik am Chef äußern? Ich bin doch nicht verrückt!“, mag sich der ein oder andere denken. Dabei ist Dein Boss auch nur ein Mensch, genau wie Du und ich. Auch er kann Fehler machen. Kritik am Chef äußern ist nicht verboten, jedoch sollte man sich vorher überlegen, wie zielführend diese ist.
Wenn man eine Idee hat, wie man Prozesse bei der Arbeit noch verbessern könnte, spricht überhaupt nichts dagegen, das an die Chefetage zu übermitteln. Auch wenn man unzufrieden mit seiner aktuellen Arbeit ist, sollte das besprochen werden, damit sich etwas ändern kann. Von allein passiert in der Regel nämlich nichts.
Natürlich gelten im Umgang mit Kritik am Chef genau dieselben Regeln wie an anderen Personen.

SPECTRUM Tipp: Suche das persönliche Gespräch, um Deinem Chef Deine Kritik mitzuteilen. Bei der Klärung von Problemen ist der persönliche Weg immer der bessere, weil auch nonverbale Faktoren, wie ein verständnisvoller Blick, wichtig für die Kommunikation sind und dabei helfen, dass diese friedlich verläuft.

Weitere Tipps zu diesem Thema gibt unser Beitrag “Feedback an den Chef geben: So gelingt’s”

Fazit

Konfliktmanagement ist vor allem für Situationen, in welchen viel mit anderen zusammengearbeitet wird, wichtig. Um mit Problemen besser umgehen zu können, hilft Dir eine gute Kritikfähigkeit. Sie gehört nebenbei auch zu den gefragtesten Job Skills der Zukunft. Einer der wichtigsten Faktoren für konstruktive Kritik ist und bleibt zudem gegenseitiger Respekt!

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Mach’s nicht gewöhnlich. Mach’s anders.
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