Erfolg für jedermann – Warum die klassische Karriereleiter ausgedient hat

Eine Holzfigur ist von einer Holzleiter gefallen. Ein Symbol für die ausgediente Karriereleiter.

„Früher war alles besser“, wird sich so mancher Personaler vielleicht denken – vor allem wenn es um die klassischen Vorstellungen von Beruf und Karriere geht. Denn heutzutage klaffen die Ansichten von dem, was Erfolg und Karriere ausmacht, nicht selten weit auseinander. Besonders junge Fachkräfte stehen dem Begriff „Karriere“ häufig skeptisch gegenüber. An seine Stelle tritt der Wunsch nach Selbstverwirklichung und Sinn im Arbeitsalltag. Kann man also sagen, dass die klassische Karriereleiter ausgedient hat? Ja, weitestgehend ist das so. Verantwortlich hierfür ist jedoch nicht der Lebensstil einer vermeintlich arbeitsscheuen Spaßgeneration, sondern ein Idealbild, welches sich im Laufe der Jahre fest in den Köpfen der Erwerbstätigen etabliert hat: Das Wunschbild eines leidenschaftlich praktizierten Jobs, der zu den Maximen der eigenen Persönlichkeit passt – eine Arbeitstätigkeit, welche auf das sogenannte „passion principle“ von Steve Jobs abstellt.

An der alten Karriere-Lei(t)er wird grundlegend gezweifelt

Früher wollten die Arbeitnehmer Karriere machen; heute wollen sie sich selbstverwirklichen. Vieles hat sich also geändert. Unter „Karriere machen“ versteht man üblicherweise, dass jemand beruflich erfolgreich ist bzw. in der Hierarchie seines Unternehmens aufsteigt. Idealtypisch steht hierfür das Modell der Karriereleiter – eine imaginäre Leiter, die eindeutige Sprossen auf dem Weg nach oben bereithält. Jede Sprosse verspricht eine jeweils höhere Position, einen höheren Verdienst bzw. mehr Gestaltungsfreiheiten und Sicherheiten. Doch ist dieses Denkkonstrukt in unserer heutigen VUCA-Welt – eine Welt, die vor Individualisierung, Komplexität und Unsicherheit nur so strotzt – überhaupt noch zeitgemäß?

Zweifelsfrei haben gesellschaftliche Veränderungen im Zuge der Digitalisierung und Globalisierung und des damit einhergehenden Wohlstands bzw. der Diversifizierung von Lebensmodellen einen Wertewandel begünstigt. Die vieldiskutierten Generationen Y und Z lassen grüßen. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass sich heutzutage viele junge Fachkräfte für ihren Berufseinstieg vor allem eines wünschen: Mehr „Happiness“ und Sinn im Hier und Jetzt. Dabei streben sie jedoch nicht nur nach einer Arbeit mit echtem Mehrwert, sondern zeigen grundsätzlich auch Skepsis gegenüber allem Althergebrachtem. Da sie den Versprechen nach Geld- und Prestigegewinnen nicht mehr ausreichend Gehör schenken, glauben sie kaum noch an das Konstrukt der Karriereleiter.

Junger Mann hält seine Handflächen überkreuz in die Kamera

Ob es erstrebenswert ist, einer klassischen Karriere nachzugehen, ist letztendlich auch eine Frage des sozialen Milieus bzw. der jeweiligen materiellen Grundausstattung. Erwerbstätige am anderen Ende der Bildungsskala bevorzugen für gewöhnlich einen sicheren Job, bevor sie sich um die sinnhafte Ausgestaltung desselbigen sorgen. Es ist bekannt, dass Bildung, wenn es um die individuelle Ressourcenausstattung geht, Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt abfedern kann. Doch auch ohne hohen Bildungsgrad haben junge Menschen heutzutage bereits ungeahnte Möglichkeiten. Diese Entwicklung befördert auch der demografische Wandel. Es wird Zeit, dass Firmen auf ebensolche Arbeitnehmer noch besser eingehen.

Die Blütezeit von Intrapreneuren und Karriereinseln

Das Aussterben der klassischen Karriere, wie wir sie kennen, scheint besiegelt zu sein. Zumindest behauptet dies der Buchautor und Unternehmer Felix Plötz. Er ist davon überzeugt, dass nun das Zeitalter der Intrapreneure beginne – von Arbeitnehmern also, die unternehmerisch denken und mit Ideenreichtum und Motivation glänzen. Da ein Intrapreneur nicht nur ein Arbeitnehmer, sondern auch ein Binnenunternehmer ist, trifft er eigene Entscheidungen, für welche er auch die Verantwortung trägt, mit dem Ziel, neue Dienstleistungen, Produkte oder sogar gänzlich neue Geschäftsbereiche zu entwickeln. Firmeninterne Intrapreneurship-Programme, in welchen agile Methoden wie Design Thinking vermittelt werden, können dabei helfen, die verschiedensten visionären Projekte kosten- und zeiteffizient zu realisieren.

Während Intrapreneurship-Programme vor allem bei der Deutschen Bahn und SAP beliebt sind, bevorzugen Unternehmen wie Bayer und Lufthansa eher firmeneigene „Innovation Hubs“. Die Funktionsweise solcher ausgelagerten Forschungs- und Entwicklungszentren ist ähnlich simpel: Unabhängig von ihrer jeweiligen Kernorganisation treiben sie neue Ideen, Produkte und Technologien voran, welche sie dann wiederum in die Arbeit ihres Hauptunternehmens einfließen lassen. Auf diese Weise sollen jenseits von strengen Unternehmensprozessen neue disruptive Ideen generiert werden. Intrapreneure haben also die Kapazität, ihren jeweiligen Betrieb von innen heraus zu erneuern – vorausgesetzt, es existiert eine Unternehmenskultur, die für Innovationen „von unten“ offen ist.

Die Arbeitswelt der Zukunft wird von Erwerbstätigen auch weiterhin ein hohes Maß an Flexibilität und Lernbereitschaft verlangen. An diesen Forderungen führt fast kein Weg vorbei. Arbeitnehmer werden jedoch immer seltener die klassische Karriereleiter „nach oben“ klettern, sondern – auf der Suche nach Selbstoptimierung – eher von einer „Karriereinsel“ zur nächsten springen.

Eine gelbe Seerose in einem Naturteich.

Das Leitbild der Karriereleiter soll folglich von einer Idealvorstellung abgelöst werden, die man sich am ehesten als einen Teich voller Seerosen, bei welchem jede Blume für einen Punkt auf dem individuellen Karriereweg steht, vorstellen kann. Ein solches System von Karriereinseln wird es ferner auch Quereinsteigern und Arbeitnehmern ohne Studium leichter machen, einer individuellen Karriere nachzugehen. Dies ist sogar heute schon möglich.

In der heutigen Arbeitswelt werden zunehmend Arbeitnehmer benötigt, die eigene Ideen einbringen und unternehmerisch denken können. Denn die Anforderungen unserer Zeit verlangen nach neuen Antworten und alternativen Perspektiven auf Althergebrachtes. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit Intrapreneuren und dem Konstrukt der Karriereinseln sowie infolgedessen auch mit Arbeitnehmern ohne akademischen Abschluss. Im Rahmen unserer Career Solutions haben wir bei SPECTRUM es uns daher zur Aufgabe gemacht, jungen IT-begeisterten Talenten auch ohne bzw. mit abgebrochenem Studium zu einer (individuellen) Karriere zu verhelfen. Das liegt daran, dass wir an unsere Schützlinge (Rookies) glauben. Außerdem wissen wir, dass Unternehmen sich den gesellschaftlichen Veränderungen anpassen sollten, um nicht den Anschluss zu verpassen.

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