Interessen vs. Talente beim Berufseinstieg – Warum Selbstbeobachtung nicht ausreicht

Junge Frau und junger Mann blicken nebeneinander in den Spiegel und betrachten sich selbst

 

Irgendwann stellt sich jeder Mensch die Frage, welchen Beruf er einmal anstreben möchte. Häufig führt dann der zweite Gedanke zu den eigenen Interessen. Manchen Menschen gelingt es schließlich, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Leider sind Menschen jedoch eher schlecht darin, sich selbst – vor allem den tatsächlichen Umfang ihrer Fähigkeiten – treffend zu beurteilen, so der österreichische Psychologe Aljoscha Neubauer. Eine realistische Einschätzung der eigenen Interessen, Talente und Wünsche ist für einen erfolgreichen Berufseinstieg dennoch unabdingbar – auch für den späteren Berufserfolg. Da die menschliche Selbstbeobachtung anfällig ist für Manipulationen, ist es somit von Vorteil, differenzierte Eindrücke über sich selbst zu erhalten. Diese liefern das soziale Umfeld sowie auch spezielle Tests, die nicht nur Interessen, sondern auch Fähigkeiten messen.

 

Über Fremd- und Selbstwahrnehmung

Wenn es um die eigenen Begabungen geht, geraten Menschen häufig ins Schwärmen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Nicht nur soziale Erwünschtheit, sondern auch die eigenen Leistungsansprüche spielen bei der Urteilsfindung eine Rolle. Seinen Berufseinstieg sollte man jedoch gewissenhaft vorbereiten und diesbezüglich nicht nur die Vorzüge der zukünftigen Arbeitstätigkeit berücksichtigen, sondern vor allem auch realistisch einschätzen, welche Kompetenzen man vorweisen kann. Denn tatsächlich vorhandene Begabungen und persönliche Interessen liegen nicht selten weit auseinander, wie eine Schweizer Meta-Studie mit über 55.000 Untersuchten im Jahre 2015 herausfand. Optimal wäre es natürlich, wenn Fähigkeiten und Interessen sich überschneiden würden. Ebenso ist es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, welche Bedürfnisse man bezüglich seines Arbeitsplatzes hat.

Junge Frau telefoniert glücklich umgeben von ihren Kollegen an ihrem Arbeitsplatz im Callcenter
Fest steht: Unsere Interessen können sich schnell wandeln und sind abhängig von Echoräumen bzw. von unseren alltäglichen Bezugspersonen und medialen Konsumgewohnheiten. Um unsere Selbstwahrnehmung um die Wahrnehmungsdimensionen unseres sozialen Umfelds zu erweitern, ist es von Vorteil, sich im Rahmen der Berufswahl noch andere qualifizierte Meinungen – beispielsweise von Berufsberatern, Eltern oder Freunden – einzuholen. Deren Einschätzungen, sofern diese ihrerseits nicht verzerrt sind, können nicht nur Berufseinsteigern eine realistische Rückmeldung über ihre Fähigkeiten geben. Letztendlich sind Talente wesentlich stabiler und zeitlich konsistenter als Interessen.

Die 6 Berufstypen des heutigen Arbeitsmarkts

Je differenzierter und vielfältiger eine Gesellschaft ist, desto ausgefallener sind auch die Berufsfelder. Bildung und Wohlstand begünstigen zudem neue Freiheiten und Gestaltungsoptionen gegenüber dem Arbeitsmarkt. Für die heutige Zeit ist hierbei beispielhaft das Phänomen der New Work zu nennen. Heutzutage gibt es zahlreiche Möglichkeiten der beruflichen Selbstverwirklichung. In Anlehnung an die Bundesagentur für Arbeit lassen sich grundsätzlich folgende 6 Berufstypen differenzieren:

  1. Handwerklich-technische Berufe
  2. Für praktisch veranlagte Personen, die eine ergebnisorientierte Arbeits- und Denkweise bevorzugen. Ferner interessieren sich diese üblicherweise für die Bedienung, Funktionsweise, Konstruktion oder Reparatur von mechanischen, technischen Anlagen verschiedenster Art.

    Junger Mitarbeiter arbeitet in seinem Handwerksbetrieb an der Herstellung eines Bilderrahmens

  3. Kaufmännisch-verwaltende Berufe
  4. In diesem Berufsfeld stehen organisierende, verwaltende Tätigkeiten, die eine präzise und systematische, strukturierte Arbeitsweise erfordern, im Mittelpunkt. Arbeitstechnische Schwerpunkte sind unter anderem die Aufbereitung bzw. Kontrolle von Daten, von Geschäftszahlen oder von Verträgen. Berufliche Anwärter zeigen in diesem Arbeitsfeld außerdem ein großes Interesse an Prozessen der Planung, Koordination und Organisation.

  5. Künstlerisch-kreative Berufe
  6. Kreative Menschen interessieren sich für gewöhnlich für eine Arbeit in den Bereichen Kunst, Literatur, Medien, Musik bzw. mit Sprachen. Sie streben dabei schwerpunktmäßig nach Arbeitstätigkeiten, die ein frei gestaltendes und schöpferisches Arbeiten sowie einen Sinn für Ästhetik in den Mittelpunkt stellen.

  7. Sozial-pflegerische Berufe
  8. Hier stehen der intensive Kontakt und der Umgang mit anderen Menschen im Zentrum. In diesem Berufsfeld geht es um die professionelle Unterstützung von Menschen in Form von Ausbildung, Beratung, Betreuung oder Pflege.

    Junge Lehrerin mit drei Kindern vor Staffeleien

  9. Wissenschaftlich-forschende Berufe
  10. Bei diesem Berufstyp werden bestehende Theorien analytisch und systematisch hinterfragt bzw. neuartige Ansätze verfolgt und man beschäftigt sich intensiv mit Fachliteratur.

  11. Wirtschaftlich-unternehmerische Berufet
  12. Die in diesem Bereich arbeitenden Personen zeichnen sich durch eine erfolgs- und zielorientierte Arbeits- und Denkweise aus. Ferner tragen sie gerne Verantwortung und nehmen mit Vorliebe führende Rollen in ihrem Arbeitsalltag ein.

Jobcrafting: Notlösung oder Zukunftsvision?

In Deutschland gibt es heutzutage hunderte von Ausbildungsberufen und sogar weit über 10.000 Studiengänge. Orientierungshilfen bei der beruflichen Entscheidungsfindung gibt es zum Glück viele. Das sogenannte „Selbsterkundungstool“ der Bundesagentur für Arbeit beispielsweise unterstützt junge Menschen mit (angestrebter) Hochschulzugangsberechtigung bei der Wahl ihrer Ausbildung bzw. ihres Studiums besonders effektiv. Hierzu nutzt es psychologisch fundierte Verfahren zur Auswertung von Fähigkeiten, Interessen und sozialen Kompetenzen. Es kombiniert somit nicht nur Fähigkeiten- mit Interessens-Tests, sondern erweitert diese auch noch um weitere Aspekte. Der Vorteil: Menschen, die sich für einen Beruf entscheiden, der ihren Bedürfnissen, Interessen und Talenten wirklich entspricht, legen den Grundstein für ihre Arbeitszufriedenheit und ihren späteren beruflichen Erfolg.

Junges Team veranstaltet voller Spaß ein Bürostuhlrennen im Büro
Die Zukunft macht es möglich: In manchen Berufsfeldern kann man seinen Arbeitsalltag mittlerweile selbst designen. „Jobcrafting“ nennt sich der Prozess, wenn man sich seine Arbeitsstelle (teilweise) zurechtschneidern kann. Besonders Menschen, die unzählige Fähigkeiten, Interessen und spezielle Wünsche bezüglich ihrer Arbeitstätigkeit haben, können so ihre berufliche Erfüllung finden. Denn wer verstanden hat, was er oder sie im Leben braucht und was er oder sie leisten kann und möchte, hat die Chance, sich sein Arbeitsleben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Wir bei SPECTRUM helfen jungen Talenten bei ihren ersten Schritten in den Arbeitsmarkt. Wir geben unseren Schützlingen das nötige Coaching, damit diese ihre Bedürfnisse, Fähigkeiten und Interessen noch besser miteinander in Einklang bringen können.

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