Diversität und Toleranz im Beruf – Was junge Fachkräfte fordern und wie tolerant sie selbst sind

Mitarbeiter am Arbeitsplatz, halten ihre Hände zusammen.

Klassische Anreize bei der Berufswahl haben längst ausgedient. Faktoren wie Arbeitsplatzsicherheit und finanzielle Stabilität spielen beim beruflichen Nachwuchs nur noch bedingt eine Rolle. Stattdessen zählen andere Werte. Sarah Hall, CEO bei der New Yorker Kreativagentur Harley & Company, ist sich sicher: „Unternehmen, die bei jungen Menschen erfolgreich sind, haben keine Angst davor, für Diversität und Inklusion einzustehen“. Firmen sind also angehalten, im Rahmen von Employer Branding und Recruiting-Maßnahmen das Wertesystem der jungen Zielgruppe, den Arbeitnehmern und Konsumenten von morgen, zu berücksichtigen. Doch geht es den jungen Beschäftigten in ihren Forderungen nicht nur um eine gerechtere Welt, sondern auch um eine gelungene Selbstdarstellung und um Lebenskonzepte, die es ebenfalls zu tolerieren gilt.

Junge Fachkräfte setzen neue soziale Maßstäbe

Natürlich kann man eine Generation nicht einfach über den Kamm scheren. Wenn es jedoch um Denk- und Verhaltensmuster geht, lassen sich häufig generationsbedingte Regelmäßigkeiten ausfindig machen. Dies trifft beispielsweise auch auf das Mindset der viel diskutierten Generation Z zu. Im Vergleich zu vorherigen Generationen (vielleicht mit Ausnahme der Generation Y) wird den nach 1995 Geborenen unterstellt, eine besonders starke Orientierung zu hedonistisch-materialistischen, aber auch zu sozialen Werten zu haben. Da sie völlig mit dem Internet und den Sozialen Medien aufgewachsen sind, kann man sie als die ersten wahren Digital Natives bezeichnen – eine Generation, die sich tagtäglich einer Flut von digitalen Reizen aussetzt und fortwährend zwischen ihrer Offline- und Online-Identität zu jonglieren weiß.

Junger Mitarbeiter während seines Urlaubs an der spanischen Küste.

Junge Fachkräfte betreten die Arbeits- und Konsumwelt und können durch eine ausgeprägte Reizverarbeitung und Selbstdarstellung punkten, während sie bei der Jobsuche gleichzeitig für mehr Diversität und Toleranz einstehen. Auch wenn sie in den verschiedensten Subkulturen beheimatet sind, so neigen sie doch allesamt zu postmaterialistischen Werteorientierungen. Dies bestätigt auch eine aktuelle Arbeitnehmer-Befragung von Randstad (2019). Getestet wurden über 6300 18- bis 65-jährige deutsche Beschäftigte. Das Ergebnis: Im Vergleich zu den übrigen Alterskohorten legten junge Arbeitnehmer beim Berufseinstieg ihren Schwerpunkt neben Karrieremöglichkeiten insbesondere auf die Themen soziale Diversität, Integration und gesellschaftliche Verantwortung – eine Bilanz, auf die der Arbeitsmarkt und die Personalsucher nachhaltig reagieren sollten.

Mehr Toleranz fordern, um selbst mehr Toleranz zu erhalten

Dem Denken und Handeln junger Fachkräfte liegt ein Streben nach Individualität, Inklusion und sozialer Gerechtigkeit zugrunde. Sie sind in der Lage, sich in kürzester Zeit über (vermeintliche) Ungerechtigkeiten im gesellschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Alltag auszutauschen und diese anzuprangern, was sie auch gerne tun – vor allem, wenn es um Corporate Social Responsibility geht. Jedoch steht dabei nicht selten eine konsenstaugliche Selbstinszenierung im Vordergrund. Aufgewachsen in einer größtenteils behüteten und sicheren Welt mit scheinbar unbegrenztem Entfaltungsspielraum sind junge Menschen ständig auf der Suche nach neuen Eindrücken und Herausforderungen. Um ihre Handlungs- und Optionenvielfalt nicht zu gefährden, stellen sie daher viel lieber althergebrachte Konventionen infrage, als sich auf potenziell unvorteilhafte Verbindlichkeiten einzulassen.

Junge Mitarbeiterin während der Arbeitszeit am Smartphone.

Die jungen Arbeitnehmer bzw. Berufseinsteiger haben also konkrete Leistungserwartungen an Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Ihre Erwartungshaltungen beruhen auf einem einfachen Leitmotiv: Wer Menschen so annimmt, wie sie – mit ihren Bedürfnissen und Unterschieden – eben sind, kann selbst Toleranz für das eigene individuelle Lebenskonzept fordern. Auf diese Weise versuchen sie, ihren zum Teil eigensinnigen Umgang mit etablierten Erwartungshaltungen zu rechtfertigen und sich ein hohes Maß an Autonomie zu erhalten. Und sie haben Erfolg damit: An allen Ecken und Enden bemüht man sich bereits um eine möglichst optimierte User-Experience, um dem Nachwuchs persönliche Arbeits-, Produkt- oder Dienstleistungserlebnisse zu ermöglichen. Doch dafür sollten diese im Gegenzug auch Toleranz für Gewohnheiten, Institutionen und Traditionen, wie sie die älteren Generationen schätzen, mitbringen.

Es kann wohl kaum bestritten werden, dass junge Fachkräfte eine Reihe von postmaterialistischen Werten in die Arbeits- und Lebenswelt von heute hineinbringen. Sie fordern von Unternehmen mehr Diversität und Toleranz und leben diese Prinzipien auch, während sie gleichzeitig mit jeder Forderung an ihrem Lebenskunstwerk, ihrer Selbstdarstellung bzw. ihrem Lebenskonzept, feilen. Ihre Toleranz sollte jedoch auch Gepflogenheiten und Überzeugungen miteinschließen, die ihre Ideale bzw. ihre Lebensentwürfe (zunächst) relativieren bzw. infrage stellen. Schließlich kann die junge Generation beim Berufseinstieg nicht einfach auf die bedingungslose Akzeptanz ihres Mindsets hoffen. Dennoch nehmen wir gerne darauf Rücksicht.

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