Wie Unternehmen ihre eigene digitale Transformation nicht verschlafen und warum sie es oft trotzdem tun

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Smartphone liegt im Heu in Stall Kuehe im Hintergrund digitale Transformation verschlafen

Eine leistungsstarke IT ist nicht nur der Garant für einen reibungslosen Geschäftsbetrieb, sondern auch für die wirtschaftliche Anschlussfähigkeit im digitalen Zeitalter. Aus diesem Grund kommt heutzutage kein Unternehmen mehr an der digitalen Transformation vorbei. Dennoch scheinen zahlreiche Firmen die digitale Transformation – trotz Corona-Pandemie – verschlafen zu haben. Bemerkbar macht sich dies ganz speziell bei Carve-In- oder Carve-Out-Prozessen (Ein- oder Ausgliederung von Unternehmen oder Unternehmensteilen). Dann zeigt sich oftmals, dass die firmeneigene IT-Landschaft so verworren und undurchsichtig ist wie so manches Wurzelwerk von Bäumen. Hohe Kosten sowie Knowhow- und Personal-Verluste sind nicht selten die Folgen, die sich jedoch mit vorausschauender Planung wirksam vermeiden ließen.

Warum Mitarbeiter bei der digitalen Transformation ein Wörtchen mitreden

Viele Unternehmen in Deutschland haben ihre eigene digitale Transformation verschlafen – trotz Corona-Pandemie. Ganz im Sinne von: „5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig“, wie es vor einiger Zeit die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek formulierte. Es ist somit kaum verwunderlich, dass viele Firmen hierzulande dem großen Buzzword „Digitale Transformation“ noch großzügig aus dem Weg gehen – vor allem dann, wenn sie nicht mehr tun, als Teile ihrer Produkt- oder Servicepalette ins Digitale zu übertragen. Grundeinstellungen wie „Business as usual“ oder „Das haben wir schon immer so gemacht“ sind leider unzureichend, um nachhaltig wirtschaftlich anschlussfähig zu bleiben. Ebenso bedenklich ist es, wenn Unternehmen heutzutage immer noch ihre Dienstleistungen und Produkte in den Mittelpunkt stellen, anstatt verstärkt auf Design-Thinking-Prozesse zu setzen. Schließlich gilt es, nicht nur die Bedürfnisse von Kunden genauer zu ergründen, sondern auch die Ansprüche der eigenen Mitarbeiter in Sachen Arbeitsplatzoptimierung. Denn sind letztere nicht bereit, die digitale Transformation ihres Betriebs kulturell mitzutragen und mithilfe eines neuen Mindsets mitzugestalten, geht auf lange Sicht zwangsläufig wertvolles Personal und Wissen verloren.

Die digitale Transformation ist natürlich keine reine Chefsache, denn sobald Geschäftsmodelle und Strategien festgelegt wurden, müssen diese erstmal von der gesamten Belegschaft verinnerlicht und implementiert werden. Hier kommt es auf das richtige Zusammenspiel aller Beteiligten an – auch da Unternehmen sich grundsätzlich ständig auf neue Herausforderungen einzustellen haben. Als uns bei SPECTRUM beispielsweise der erste Corona-Lockdown erreichte, mussten wir wie viele andere unsere Firmenphilosophie von heute auf morgen auf die neuen Arbeitsumstände maßschneidern. Dies gelang uns durch flexible Koordinations- und Kommunikationsprozesse. Ebenso waren bei uns klare Zielsetzungen und gemeinsame Zukunftsvisionen federführend, um Ängste und Unsicherheiten zu reduzieren und vorhandenes Knowhow mit passenden IT-Lösungen effektiv zusammenzubringen. Dazu gehörte auch die Etablierung einer bereichsübergreifenden IT-Landschaft. Die Alltagspraxis zeigt jedoch, dass bei vielen Betrieben tatsächlich das Gegenteil üblich ist: Es fehlt an der Bereitschaft und Einsicht, die IT-Anwendungen und IT-Infrastrukturen sämtlicher Geschäftsbereiche aufeinander abzustimmen. Das Ergebnis sind latente IT-Mängel, die gerade bei Ankäufen, Fusionen oder Verkäufen von Unternehmen zu allerlei Chaos führen können.

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Carve-In- und Carve-Out-Prozesse reibungsloser gestalten

Für Unternehmen ist es unabdingbar, sich flexibel dem jeweiligen Marktgeschehen anpassen zu können. Am besten gelingt ihnen dies im Rahmen einer erfolgreichen digitalen Transformation. Verläuft diese hingegen weniger erfolgreich, so kommen Probleme insbesondere bei Carve-In- bzw. Carve-Out-Prozessen zum Vorschein. Sodann stellt sich oftmals heraus, dass im Betriebsalltag jahrelang eine Vielzahl an Softwareanwendungen und IT-Strukturen genutzt wurde, die jetzt erst aufwändig harmonisiert werden müssen. Viel besser ist es daher, diese bereits vorab vereinheitlicht zu haben – also vor dem Aufkauf, Verkauf oder der Fusion mit anderen Geschäftsbereichen oder Unternehmen. An dieser Stelle braucht es nicht selten auch Mut zum Umbau bestehender Altsysteme. Es versteht sich von selbst, dass dies nur mit erfahrenem Fachpersonal zu bewerkstelligen ist. Darunter versteht man häufig Talente im eigenen Unternehmen, die bereits IT-Experten sind oder die man sich selbst zu IT-Experten gemacht hat. Doch so profund deren Wissen über die firmeneigene IT-Landschaft auch sein mag, für einen reibungslosen Carve-In- bzw. Carve-Out-Vorgang bedarf es noch mehr. An dieser Stelle machen sich Projektmanagement-Skills und Digitalisierungs-Skills von externen Unternehmensberatern bezahlt.

Was auch immer die Gründe für Carve-In- bzw. Carve-Out-Entscheidungen sind, sie stellen an ein Unternehmen immense planungs- und umsetzungstechnische Herausforderungen. Zurzeit scheint es für Unternehmen überaus lukrativ zu sein, sich auf Kernkompetenzen zu konzentrieren und zusätzliche Liquiditätspolster zu schaffen. Demnach würde es auch im zweiten Corona-Jahr, so der Wirtschaftsprüfer KPMG, einen deutlichen Trend hin zu Carve-Out-Prozessen geben. Doch genügt es selbstverständlich nicht, lediglich auf Trends zu schauen. Was zählt, wenn Dinge spruchreif werden, ist, dass die Konsolidierungs- und Harmonisierungsprozesse von IT-Anwendungen und IT-Infrastrukturen – von Buchhaltungssystemen, über Datenbanken bis hin zu Tools und Anwendungen im Produktionsbereich – nicht zu spät beginnen und hierfür genügend Fachpersonal zur Verfügung steht, um kosten- und zeittechnischen Mehraufwand zu verhindern. Werden grundsätzlich alle Stakeholder in unternehmerische Wandlungsprozesse frühzeitig miteingebunden, verhindert man wirksam, dass mit einer Flut von digitalen Einzellösungen die eigene digitale Transformation verschlafen wird und ausgelagerte Carve-Out-Objekte ihre Stand-Alone-Fähigkeit einbüßen.

Wir machen aus Talenten Experten!

Bildnachweise für diesen Beitrag:
© Ralf Kaufmann Fotografie

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