Die Corona-Warn-App – Wie sie funktioniert und was sie für uns bereithält

Corona-Warn-App im Einsatz

Das neuartige Coronavirus verbreitet sich nun schon seit einigen Monaten unter der deutschen Bevölkerung. Zwar geht die Zahl der Neuinfektionen von Woche zu Woche zurück, was wiederum neue Lockerungen begünstigt, jedoch ist die Pandemie noch lange nicht durchgestanden. Während manche Experten eine Rückkehr zur Normalität erst mit der Einführung eines Impfstoffs prognostizieren, plädieren andere wiederum für ein gesellschaftliches Leben mit dem Virus. Die neue Corona-Warn-App der Bundesregierung soll zukünftig dazu beitragen, Infektionsketten besser nachvollziehen zu können. Im Gegensatz zu vielen anderen weltweit genutzten Corona-Apps überzeugt das deutsche Tool durch einen besonderen Schutz der Privatsphäre. Ein weiterer großer Schritt zur Eindämmung und Kontrolle des Virus wurde hiermit getan. Schließlich automatisiert bzw. erleichtert die App die Arbeit von zahlreichen Mitarbeitern der Gesundheitsämter – sofern sie auch großflächig genutzt wird.

Ein intelligentes Konzept zum Schutz der Privatsphäre

Während andere Länder schon seit Monaten eigene Corona-Tracing-Tools herausgebracht haben, ließ sich die Bundesregierung mit der Veröffentlichung ihrer sogenannten „Corona-Warn-App“ bis Mitte Juni Zeit. Ihre Begründung: Bei der Entwicklung der App habe es Verzögerungen wegen strenger Anforderungen in puncto Datenschutz und Energieeffizienz gegeben, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gegenüber der „Rheinischen Post“. Schließlich sei die App nach Einschätzung des Netzaktivisten Linus Neumann laut tagesschau.de ein „Mammutprojekt, wie es die Menschheit noch nicht gesehen hat“. Die Entwickler der App – schwerpunktmäßig die Deutsche Telekom und der SAP-Konzern – haben deswegen sehr viel Wert auf Transparenz gelegt. Eine komplette Offenlegung des Programmcodes auf github.de hatte ihnen sogar eine ganze Reihe von Verbesserungsvorschlägen eingebracht.

App-Entwickler bei der Arbeit

Von Anfang an wurde von allen Verantwortlichen klar und deutlich kommuniziert, dass die Nutzung der Corona-Warn-App freiwillig ist und dass diese in ihrer Funktionsausübung die Privatsphäre des Nutzers schützt:

Dezentrale Speicherung aller Daten (auf dem Smartphone)
Keine Auswertung von Ortsinformationen
Keine Speicherung von personenbezogenen Daten
Keine unnötigen Zugriffsberechtigungen
Verwendung von Bluetooth (kein GPS)


Die Corona-Warn-App ist zunächst nur auf Deutsch und Englisch verfügbar, richtet sich an die gesamte deutsche Bevölkerung und funktioniert sowohl auf Apple- (ab iOS 13.5) als auch auf Google-Geräten (ab Android 6.0). Im Konkreten geht sie folgendermaßen vor: Jedes Smartphone mit aktiver Corona-Warn-App sammelt und sendet über Bluetooth automatisch anonyme Identifikationsnummern von bzw. an Geräte aus der näheren Umgebung, die ebenfalls die App nutzen. Da die IDs jeweils nur für kurze Zeit gültig sind, kann somit anonymisiert herausgefunden werden, welches Handy sich wie lange in unmittelbarer Nähe befand. Ausschlaggebend hierfür ist die Signalstärke der Mobiltelefone, wodurch sich die Entfernung derselbigen zueinander bestimmen lässt. Sollte der Corona-Test eines Kontakts im Laufe der nächsten 14 Tage positiv ausfallen, so werden sämtliche relevanten Begegnungen darüber in Kenntnis gesetzt. Diese Daten-Abgleiche geschehen lokal auf dem Handy. Damit die Corona-Epidemie im eigenen Land gestoppt werden könne, müsse eine Tracing-App laut einer Studie der Universität Oxford im April von mindestens 60 Prozent der Bevölkerung verwendet werden – also eine ähnliche Beliebtheit wie der Instant-Messaging-Dienst Whatsapp erlangen.

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Corona-Warn-App: Mehr als nur ein Tropfen auf dem heißen Stein

Auch die deutsche Corona-Warn-App kann dazu beitragen, Ansteckungsketten – vor allem angesichts weiterer Lockerungen der Pandemie-Maßnahmen – besser nachzuvollziehen. Ein Nutzer erfährt jedoch nicht konkret, welche seiner Begegnungen der letzten 14 Tage infiziert war(en). Ebenso kann er nicht einsehen, welche Personen in seinem Umfeld akut infiziert sind. Schließlich handelt es sich bei der DSGVO-konformen Corona-Warn-App um ein Tracing-Tool (und nicht um ein Tracking-Tool), das potenziell problematische Kontakte lediglich anonym zurückverfolgen kann. Doch damit bei einer Infektion relevante Begegnungen kontaktiert werden können, muss der Betroffene sein Testergebnis zunächst in die App einpflegen. Dies ist durch das App-interne Scannen eines QR-Codes möglich, wodurch die Infektionsmeldung gleichsam von den Behörden verifiziert wird. Tatsächlich seien jedoch viele Gesundheitsämter und Labore, so das reichweitenstarke Technikportal Chip Online, hierfür nicht hinreichend ausgerüstet – der Digitalisierungsrückstand im deutschen Gesundheitswesen macht sich bemerkbar. Nichtsdestoweniger könnte die deutsche Tracing-App ein weltweites Vorbild werden, denn anders als beispielsweise in Ländern wie China, Indien, Katar oder Singapur schützt sie die Freiheits- und Persönlichkeitsrechte ihrer Nutzer auf höchstem Niveau.

Corona-Warn-App mit QR-Code

Die Meinung der Deutschen zur Corona-Warn-App ist noch gespalten. Bemängelt wird unter anderem ein mögliches mit der App-Nutzung einhergehendes Gefühl der Überwachung. Auch könnte die App – ein technischer Versuch der Kontrolle eines unsichtbaren Gegners – ihren Nutzer in ständige Alarmbereitschaft versetzen. Schließlich lässt sich nun wesentlich effizienter als vorher nachvollziehen, ob die zuletzt erfolgten Begegnungen mit anderen Menschen infektionstechnische Folgen haben. Diesbezüglich stellt sich die Frage, inwiefern ein solches Tracing-Tool das soziale Miteinander der Menschen beeinflussen und womöglich zu einem sozialen Strukturbruch beitragen kann. Damit die Corona-Warn-App letztendlich ein Erfolg wird, zählt jeder einzelne Nutzer. „Wenn wir in den kommenden Wochen einige Millionen Bürger von der App überzeugen, dann bin ich schon zufrieden“, so die Hoffnungen von Spahn. Die Corona-Warn-App beschränkt sich jedoch nur auf das Bundesgebiet. Ob sich langfristig sämtliche europaweit genutzten Corona-Apps vernetzen lassen, ist noch unklar. Ein geeintes Europa scheint es auch in dieser Corona-Frage bis auf Weiteres nicht zu geben.

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