Das Phänomen der New Work: Wie Ihre Firma zum Trendsetter wird

Eine gelbe Sprechblase auf der "Trends" steht.

Viele Menschen empfinden die heutige Welt als fragil. Die Bindung zum Arbeitsplatz lässt bei vielen von ihnen nach und wird flankiert von einem stetigen Druck zur Selbstoptimierung. Im Zuge der Digitalisierung und Modernisierung wurden gleichzeitig neue Freiräume und Ideen geschaffen, die althergebrachte Prozesse und Strukturen ablösen – auch in der Arbeitswelt. Nachwuchsfachkräfte fordern diese Freiheiten bereits ein. Sind Unternehmen darauf nicht vorbereitet, droht ihnen ein erheblicher Wettbewerbsnachteil. Doch woran sollen sich diese orientieren? Mit dem Schlagwort „New Work“ werden sämtliche Optimierungspotenziale für die Arbeitswelt zusammengefasst. New Work ist jedoch nicht nur ein Trend, sondern der Höhepunkt eines sich seit Jahren abzeichnenden Umdenkens im Zuge der Individualisierung unserer Wohlstandsgesellschaften. Ihr Credo ist gleichermaßen mutig wie vielversprechend: „Arbeite wann, wo und mit wem Du willst“. Wenn es nur so einfach wäre.

Selbstbestimmtes Arbeiten in einer komplexen Welt

Die Welt, wie wir sie kennen, verändert sich in einem galoppierenden Tempo. Doch diese Veränderungen stoßen natürlich nicht bei allen Menschen auf Zuspruch. So haben beispielsweise viele von ihnen Angst, ihren Job zu verlieren. Letztlich ist die heutige Arbeitswelt geprägt von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität (VUCA-Welt). Ferner betrachten viele Menschen ihre Erwerbsarbeit als eine Art „milde Krankheit“, die es eben auszuhalten gilt. Dies behauptet jedenfalls Frithjof Bergmann, Philosoph und Begründer der New-Work-Bewegung. Um jeden Preis einer – zumindest halbwegs annehmbaren – Arbeitstätigkeit nachkommen zu müssen, scheint für ihn eine Art ungeschriebenes Gesetz der Spätmoderne zu sein und verdränge bei vielen Menschen sogar das Grübeln um die Sinnfrage. An dieser Stelle setzt die New-Work-Bewegung mit einem neuartigen Vorschlag an: Menschen sollen eine Tätigkeit anstreben, die sie wirklich, wirklich wollen. Wie schon Bergmann im Jahre 2017 in einem Interview bei einem Xing-Event namens „New Work Experience“ andeutete, entstehe wirklich gute Arbeitsleistung nur durch Freiraum und Freiwilligkeit:

Was Arbeit ist und was Arbeit ausmacht, kann somit grundsätzlich unterschiedlich interpretiert werden. Bergmann empfiehlt daher eine Anpassung der eigenen Arbeitstätigkeit an seine jeweiligen Bedürfnisse. Denn die „Arbeitswelt 4.0“ müsse zwangsläufig agiler und dynamischer werden. New Work ist jedoch weder eine Ideologie noch gibt es eine konkrete Agenda, sondern ist vielmehr eine radikal neue Arbeits- und Lebenseinstellung. Ein solches Umdenken kann womöglich nicht nur die alltägliche Arbeit, sondern auch den Wettbewerb um Nachwuchskräfte verändern. Gängige Forderungen der New Work sind:

  • Agilere Arbeitsmethoden
  • Arbeitstechnische Orts- und Zeitflexibilisierung
  • Digitalisierung von Arbeitsplätzen
  • Individualisierung von Karriereleitern
  • Neuinterpretation von Führung

Zweifelsfrei haben viele Firmen – wenn auch unbewusst – bereits Elemente der New Work in den Arbeitsalltag ihrer Beschäftigten integriert. Dieses Potenzial gilt es, in der Zukunft noch auszubauen. Fakt ist: Es gibt zahlreiche Strömungen im Themenfeld der Neuen Arbeit, wovon einzelne Entwicklungsansätze in absehbarer Zeit vermutlich verschwinden und andere wiederum an Relevanz gewinnen werden.

Ein lockeres Team bei der Projektarbeit.

Die Beziehung zur eigenen Arbeit und die Armut der Begierde

Das Prinzip der Lohnarbeit ist ein relativ junges Phänomen der Neuzeit. Nicht nur Gesellschaftstheoretiker wie Karl Marx sondern auch Staatsmänner wie Thomas Jefferson und Literaten wie Charles Dickens standen dem sich ausbreitenden System der massenhaften Lohnarbeit kritisch gegenüber. Bemängelt wurde, dass der Lohnarbeiter durch das Anbieten seiner Arbeitskraft ein rein instrumentelles Verhältnis zu seiner Arbeitstätigkeit und zu seinen Arbeitsmitteln einnimmt. Schließlich galt es nun nur noch, die Vorgaben des Betriebs auszuführen, was jedoch eine arbeitsimmanente Selbstwirksamkeit des Beschäftigten erschweren kann. Es ist somit nicht verwunderlich, dass selbst heute noch viele Menschen über Entfremdungserfahrungen in ihrem Arbeitsalltag klagen. Das liegt auch daran, dass die Erwerbsarbeit mittlerweile einen essenziellen Stellenwert für die persönliche Sinnsuche eingenommen hat.

Es wäre irreführend, die Grundprinzipien der New Work lediglich als neue Möglichkeiten der Bespaßung von Mitarbeitern aufzufassen. Den unternehmerischen Anforderungen des 21. Jahrhunderts kann man schließlich nicht nur mit Benefits jeglicher Art begegnen. Um ein effektives Employee Engagement zu begünstigen, müssen vielmehr Führungsansätze beherzigt werden, die den Beschäftigten zu wirklich guter Arbeit motivieren. Konkret bedeutet dies: Man muss dem Mitarbeiter im beschleunigten Arbeitsalltag auch Phasen der Entschleunigung und der individuellen Arbeitsgestaltung jenseits von Erwartungszwängen einräumen. Es gibt hierfür jedoch noch keine Erfolgsmodelle, denn Fachwissen und Tipps sind so vielfältig wie die Beschaffenheit der Unternehmen selbst. Die Visionen der New Work sollen jedoch vielmehr einen Dialog über Veränderungen anstoßen – darüber, wie Menschen heute arbeiten und ihre Fähigkeiten auch zum Wohle des Unternehmens ausbauen können. Doch Tatsache ist: Viele von ihnen wissen überhaupt nicht, was sie antreibt und was sie wirklich arbeiten wollen. Wissenschaftler sprechen dies bezüglich von einer sogenannten „Armut der Begierde“. Und um diese Begierde zu finden, könnten Firmen zukünftig beratend und wegweisend zur Seite stehen. Diese erhalten hierbei die einmalige Chance, selbst zum Trendsetter zu werden.

Ein kritisches Abschlussplädoyer

Eine unternehmensinterne Integration von New-Work-Elementen, so produktiv diese auch sein mögen, könnte jedoch auch Verwirrung und Unsicherheit stiften. Schließlich könnten manche Mitarbeiter sich unter Druck gesetzt fühlen, ihren Arbeitsalltag verändern zu müssen, was nicht jedem gleichermaßen gefällt. Hierbei wird deutlich, dass die New-Work-Bewegung symptomatisch für eine Gesellschaft steht, die sich nun auch in der Arbeitswelt maximal selbstentfalten muss. Letztendlich ist der menschliche Optimierungszwang rastlos und wird auch im Rahmen von New Work keine Ruhe geben. Die Prinzipien der New Work kann man jedoch auch als Chance verstehen. Schließlich begünstigen diese das Ausloten einer eigenen beruflichen Antwort auf die Möglichkeiten unserer heutigen Arbeitswelt. Wir bei SPECTRUM wissen: Letztendlich muss jedes Unternehmen für sich eigene New-Work-Maßnahmen auf den Weg bringen. Dies geht jedoch nur, wenn das Unternehmen die Potenziale der Mitarbeiter und dieser Bewegung vor Augen haben.

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