Ein Comeback der deutschen Wirtschaft? Welche Branchen im Jahr 2021 die größten Chancen haben

MinibusComeback der deutschen Wirtschaft: Minibus und Strassenschild mit der Aufschrift "Comeback" und Strassenschild mit der Aufschrift Comeback

Das Corona-Jahr 2020 wird der Menschheit als Jahr der Umbrüche im Gedächtnis bleiben – für viele Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Auftakt zur größten Umbruchsphase seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft werden auch im Jahr 2021 noch eine ganze Weile von dieser „neuen Normalität“ begleitet. Viele Branchen befinden sich indessen an einem Tiefpunkt. Auf Erholung können nicht alle hoffen. Bringen jedoch die Massenimpfungen tatsächlich langfristige Lockerungen mit sich, so kann sich die Wirtschaft auf ein Comeback freuen. Bis dahin muss sie die Krise weiterhin als Herausforderung begreifen, Entwicklungen zu antizipieren – auch im Sinne einer möglichst optimalen Positionierung nach der Pandemie. In Sachen digitale Transformation gibt es schließlich noch viel Luft nach oben.

Zwischen vagen Erholungsaussichten und absehbaren Pleiten

Das Jahr 2020 stand ganz im Zeichen der Umbrüche. Trotzdem haben einige Unternehmen dies nicht als Chance begriffen, grundlegende Prozesse und Strukturen systematisch zu transformieren. Es verwundert somit kaum, dass die Bundesrepublik in Sachen digitale Wettbewerbsfähigkeit einen Rückstand aufweist, wie beim letzten Digital-Gipfel gemahnt wurde. Ist vielleicht der sogenannte „Status-Quo-Bias“ der Grund, warum viele Deutschen – in der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – großen Entwicklungsschritten tendenziell mit Skepsis begegnen? Dabei waren Veränderungen nie fruchtbarer und notwendiger als im Corona-Jahr 2020, als sich die Anforderungen an das Arbeiten und Leben schlagartig gewandelt haben. Letztendlich waren Dienstleistungen, Geschäftsmodelle und Prozesse neu zu erfinden, während gleichzeitig die deutsche Wirtschaft sowohl agiler als auch volatiler wurde, so der Arbeits- und Innovationsforscher Wilhelm Bauer vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation gegenüber dem Handelsblatt. Die „neueVUCA-Welt verlangt dabei manchen Branchen eine höhere Innovationsdynamik ab als anderen. Denn während einige Beschäftigte sich über flexiblere Gestaltungsmöglichkeiten im Berufsalltag freuen, bangen andere wiederum seit Monaten unverändert um ihre Existenz.

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Trotz staatlicher Unterstützungsleistungen ist die Spanne zwischen Erholungsaussichten auf der einen und drohenden Unternehmenspleiten auf der anderen Seite auch im Jahr 2021 enorm. „Schöpferische Zerstörung“ nennen Ökonomen den aktuellen existenziellen Kampf vieler Unternehmen, sich rasch neu erfinden zu müssen. Wenn es das Infektionsgeschehen zulässt, gilt für 2021 grundsätzlich, dass sich Verluste von 2020 wieder ausgleichen lassen könnten. Im Nachfolgenden eine Auswahl von Branchen, die mit einem Vorteil oder Nachteil in das Jahr 2021 starten (Quelle: SPIEGEL Wirtschaft):

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  • Automobil: Diese Branche könnte von einer erstarkenden Weltkonjunktur profitieren – insbesondere Firmen, die auf Elektromobilität setzen.
  • Einzelhandel: Bau-, Fahrrad- und Supermärkte haben 2020 glänzende Umsatzzahlen verzeichnet (gegenteilige Entwicklung bei Läden für Bekleidung, Schmuck und Spielzeug) – ein Trend, der sich womöglich fortsetzen wird.
  • Logistik: Weil der Online-Handel weiterhin brummt und Impfstoffe weltweit auszuliefern sind, scheint auch 2021 vielversprechend zu werden. Sorgenpunkte sind hier jedoch der Brexit und neue Virus-Mutationen.
  • Pharmaindustrie: Da der erste weltweit reguläre Corona-Impfstoff in Deutschland entwickelt wurde, könnten womöglich neue Investitionen – vor allem von Risikokapitalgebern – zu erwarten sein.

  • Kultur-, Kreativ- und Tourismuswirtschaft: Solange der harte Lockdown anhält, hat dies unter anderem für Gastronomen, Hoteliers, Künstler und Veranstalter größtenteils ein Berufsverbot zur Folge. Trotz staatlicher Hilfen werden viele von ihnen das Jahr 2021 nicht überstehen. Mit abklingenden Fallzahlen fällt jedoch die Prognose positiver aus.
  • Gesundheitswesen: Hier könnten Geldmangel angesichts ausgesetzter Routine-Eingriffe sowie Personalmangel zu nachhaltigen Komplikationen führen.
  • Luftfahrt: Der aktuelle Trend hin zu einer dekarbonisierten Welt wird die Luftfahrt vermutlich auch weiterhin stark schrumpfen lassen.
Frau mit Schutzmaske hat ihrem Job verloren

Wie sich dem Wandel zuvorkommen lässt

Ob 2021 ein Annus horribilis wird, hängt von vielen Faktoren ab. Nach der tiefen Rezession im Rahmen des ersten Lockdowns von 2020 folgte die Wirtschaftsentwicklung Deutschlands rasch einer V-förmigen Konjunkturkurve. Dies ist auch für das Frühjahr 2021 nach Aufhebung des aktuellen Lockdowns zu erwarten. Experten wie der Ökonom Gabriel Felbermayr vom Institut für Weltwirtschaft der Universität Kiel sind zuversichtlich, dass bereits Ende 2021 die deutsche Wirtschaft wieder ihr Vor-Corona-Niveau erreichen könne – unter dem Vorbehalt, dass die Pandemie abklingt. Die Wirtschaftsweisen sehen dieses Niveau hingegen erst im Jahr 2022 erreicht. Absehbar ist jedenfalls, dass aufgrund der Corona-Maßnahmen zahlreiche Arbeitsplätze verloren gehen. Laut Felbermayr könnten davon rund 600.000 Arbeitsplätze betroffen sein. Eine Ursache hierfür sei auch der Strukturwandel der Berufslandschaft, der sich seit Jahren in den einzelnen Branchen in unterschiedlichem Ausmaß abzeichnet. Zwar könnten Impfungen durchaus eine Eindämmung der Pandemie bewirken, doch unsicher bleibt, inwiefern damit auch eine Lockerung sämtlicher Corona-Maßnahmen und ein Aufleben der Konsumlust verknüpft sein werden und wie dies wiederum den Branchen zugutekommt. Ebenso offen bleibt die Frage, wann und wo die Unternehmenspleiten eintreten werden. Doch es gibt Hoffnung.

Die Zukunft ist digital. Ob in Unternehmen digitale Lösungen jedoch langfristig Bestand haben, hängt grundsätzlich von den Entscheidungen der Führungskräfte ab. Als Gatekeeper haben sie es auch im Jahr 2021 in der Hand, ob ihnen der Paradigmenwechsel hin zu mehr digitalen Prozessen und Strukturen gelingt oder nicht. Dabei sollten sie den Mitarbeitern, welchen das Wegfallen gewohnter Rahmenstrukturen ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit und Selbstorganisation abverlangt, unbedingt „Hilfen zur Selbsthilfe“ wie beispielsweise Coachings oder Support-Netzwerke bereitstellen, dies beteuert auch Jennifer Gunkel, Professorin für Angewandte Psychologie an der Hochschule Fresenius in München, gegenüber dem Handelsblatt. In Zeiten des radikalen Wandels ist es für Unternehmen unerlässlich, den Mitarbeitern zu ermöglichen, auf ihre Bedürfnisse einzugehen und ihre Stärken auszuspielen. Darüber hinaus ist auch das HR-Management von immenser Bedeutung. Denn ohne die richtigen Talente lässt sich die digitale Transformation nicht erfolgreich bewerkstelligen. Sind jedoch Menschen und Technik aufeinander abgestimmt, so besteht für Unternehmen vielleicht sogar das Potenzial, im Jahr 2021 ein Stückchen Erfolgsgeschichte zu schreiben.

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