„Back to the Roots!“ – Wie junge Potenziale den Fachkräftemangel auf dem Land aufhalten können

Beschaulicher Marktplatz mit Brunnen und Fachwerkhäusern in Baden Württemberg.

Immer wieder beklagen sich einschlägige Fachartikel der Wirtschaft über die „Millenials“ bzw. über die berüchtigten Generationen Y und Z. Ihnen wird insbesondere nachgesagt, bei der Wahl ihres Arbeitsgebers hohe Ansprüche zu haben. Die Arbeitswelt geht bisher, wenn auch noch zögerlich, auf die Forderungen der jungen Leute weitestgehend ein. Zukünftig sollte diese den Wünschen des Nachwuchses – angesichts der Entwicklungen, welche den ländlichen Arbeitsmarkt erfassen – vermutlich noch mehr Gehör schenken: Sowohl der demografische Wandel als auch die Digitalisierung sind die maßgeblichen Moderatoren einer arbeitstechnischen Umgestaltung auf dem Land, welcher langfristig nur die jungen Fachkräfte die Stirn bieten können. Damit der Personalbedarf ländlicher Regionen Deutschlands nachhaltig gedeckt ist, gilt es daher, betroffene Gebiete für den Nachwuchs attraktiver zu gestalten. Ein hohes Maß an Digitalisierung und ein Arbeitsplatz mit Mehrwert sind das Erfolgsrezept.

Über den Strukturwandel auf dem Land

Fakt ist: Die jungen Fachkräfte zieht es nach wie vor in die Städte, während das auf dem Land ansässige Fachpersonal – die „Generation der Babyboomer“ – sukzessive in Rente geht. Daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Für gewöhnlich sind es vor allem die sogenannten „Hidden Champions“ (Nischenmarkt besetzende und nicht selten weltweite Marktführer), die am Fachkräftemangel leiden. Zweifelsfrei gibt es einen Mangel, jedoch keinen generellen – davon geht jedenfalls die Bundesagentur für Arbeit in ihrer aktuellen Analyse vom Juni 2019 aus. Die Chancen für eine Fachkraft, einen adäquaten Arbeitsplatz zu finden, hänge diesbezüglich nicht nur von der entsprechend gewünschten Branche, sondern auch von der jeweiligen Region ab. Besonders akut ist der Fachkräfteengpass vor allem in Bauberufen sowie in Gesundheits- und Pflegeberufen.

Dronenaufnahme einer Lagerhalle in einem ländlichen Industriegebiet.

Die Gründe für das Fehlen der Fachkräfte in der Provinz sind ferner so vielseitig wie die Fachkräfte selbst:

  • Alterung der Gesellschaft durch den demografischen Wandel
  • Geringe Attraktivität ländlicher Lebensräume
  • Steigende Studierneigung der Heranwachsenden
  • Zunehmende Unpopularität alter Berufsbilder

Wenn es auf den Dörfern langfristig an Fachkräften fehlt, so setzt dies häufig einen Teufelskreis in Gange: Denn im Zuge der Wegzüge des Nachwuchses (zum Studieren bzw. Arbeiten) in die Städte werden auf dem Land immer weniger Kinder geboren, was den Abwanderungskreislauf wiederum antreibt. Dieses Dilemma ist jedoch lösbar.

(Ländliche) Strategien bei der Fachkräftesuche

Grundsätzlich ist jeder Lösungsansatz für den Fachkräftemangel auf dem Land zunächst von finanziellen Mitteln abhängig. Gerade hochverschuldeten Kommunen sollte daher zunächst mit Bundeshilfen entgegengekommen werden, damit diese auch weiterhin über Handlungsspielraum verfügen. Sind die Finanzen erst einmal geregelt, sollten ländliche Regionen unbedingt die Schaffung einer Breitbandinfrastruktur, aber auch von (zusätzlichen) Berufsschulen und Freizeitangeboten in Erwägung ziehen, um die jungen Leute aufs Land zu locken. Dahinter steckt ein simpler Gedanke: Das Internet wird auch in Zukunft eine tragende Rolle für Beruf und Privatleben einer Großzahl von Menschen spielen und insbesondere die Jungbürger beziehen ihre Informationen – auch in puncto Arbeitgeberwahl – schwerpunktmäßig aus dem World Wide Web. Arbeitgeber auf dem Land sollten deswegen verstärkt in die Digitalisierung investieren und bei ihrer jeweiligen Zielgruppe auf kreative Weise Aufmerksamkeit generieren. Hierfür lohnt es sich, potenzielle Talente im Rahmen von Active-Sourcing-Maßnahmen direkt anzusprechen, schon bevor diese mit der Jobsuche beginnen.

Ein Bewerber schaut sich das SPECTRUM Jobportal an.

Um auf dem Land Mitarbeiter langfristig im eigenen Unternehmen zu halten, empfiehlt es sich natürlich, zunächst die Vorzüge des Landlebens zu betonen. Das beste Argument für einen Arbeitsplatz in der Provinz ist jedoch immer noch die getätigte Arbeit selbst – diese sollte vorwiegend Spaß machen bzw. einen sinnhaften Mehrwert liefern. Weitere effektive Möglichkeiten der Mitarbeiterbindung sind:

  • Erfolgsbeteiligungen
  • Gesundheitliche Präventionsprogramme
  • Persönlicher Kontakt
  • Vorteile für die Familie
  • Weiterbildungsmöglichkeiten

Für einen Arbeitgeber zählt es mehr denn je, bei seinen Mitarbeitern und potenziellen Bewerbern nachhaltig Vertrauen zu stiften. Diesbezüglich wäre es ratsam, den Fachkräften von morgen von Anfang an die beruflichen Perspektiven in ihrer Heimatregion aufzuzeigen, um die Notwendigkeit eines Fortzugs derselbigen zu relativieren. Ortsansässige Jugendliche sollten sich hiermit bereits in der Schulzeit auseinandersetzen.

Von der Patchwork-Karriere in der Provinz

Die klassische Normalbiografie hat für viele jungen Fachkräfte längst ausgedient. Wir leben in einem Zeitalter der sogenannten „Patchwork-Karrieren“. In der Arbeitswelt stehen dem jungen Nachwuchs schon heute die verschiedensten beruflichen Optionen offen, ohne die „Karriereleiter“ in klassischer Manier erklimmen zu müssen. Die jungen Leute wollen ihren Berufsalltag mit Abwechslung, Erlebnissen, Selbstbestimmung und Sinnhaftigkeit anreichern. Dies ist ihre Art, mit einer von Mehrdeutigkeit und Unsicherheit geprägten Welt umzugehen und sich anzupassen, ohne die „Grundpfeiler“ ihrer eigenen Lebenskonstrukte antasten zu müssen. Firmen – insbesondere diejenigen, die auf dem Land ansässig sind – müssen sich zum Wohle ihres eigenen Fortbestands mit den Bedürfnissen junger Fachkräfte zwangsläufig auseinandersetzen. Ob diese (zurück) aufs Land ziehen oder dort bleiben, hängt auch davon ab, inwieweit sie dort Chancen für ihre berufliche Selbstverwirklichung und für ihr Sozialleben sehen.
Junges paar fährt mit Fatbikes in den Dünen.
Es ist kaum verwunderlich, dass immer mehr Mittelständler auf die Folgen des regionalen Fachkräftemangels reagieren müssen, was sicherlich auch daran liegt, dass einige von ihnen im Internet nicht ausreichend auf sich aufmerksam machen und zusätzlich noch in einem infrastrukturell schlecht ausgestattetem Hinterland liegen. Ebenso gehört für einen jungen Menschen zweifelsfrei viel Mut dazu, den Schritt zu wagen, (zurück) aufs Land zu ziehen oder sich für die Heimat zu entscheiden – Mut, um sich gegen die Lebensgewohnheiten der eigenen Alterskohorte und gegen die Selbstentfaltungsforderungen der Eltern oder anderer Bezugspersonen durchzusetzen. Egal, ob es sich um Nachwuchskräfte, Experten oder um Mitarbeiter handelt, die sich weiterbilden wollen, wir von SPECTRUM halten für Sie Lösungen für jede berufliche Lebensphase bereit. Wir helfen Ihnen, den Schritt aufs Land zu wagen und nach Ihren Bedürfnissen zu gestalten.

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