3 LGBTQI+ Helden aus der Welt der Informatik

Halbleiterplatine in regenbogenfarben als Symbolbild LGBTQI+

Kaum ist der Juni (Pride Month) vorbei, verschwinden die Regenbogen-Logos der großen Unternehmen und das Thema Diversität wird wieder zur Nebensache. Diversität ist für uns einer der wichtigsten Treiber für Innovation und Ambiguitätstoleranz und damit Teil unserer Unternehmensphilosophie. Aus diesem Grund möchten wir in diesem Beitrag drei ikonische LGBTQI+ Wegbereiter unserer Branche vorstellen und ehren.     

“I hope it makes it easier for kids growing up gay that they know that another one of their heroes was like them.”
– Sally Ride (LGBTQI+ Astronaut)        

Alan Turing – (1912-1954): Englischer Informatiker, Mathematiker und Kryptoanalytiker

Als “Vater” der theoretischen Informatik und der künstlichen Intelligenz ist Alan Turing der Name, der den meisten Menschen in den Sinn kommt, wenn sie an einen Pionier der Informatik mit homosexuellem Hintergrund denken. Seine Lebensgeschichte ist vor allem durch den Film “The Imitation Game” von 2014 mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle in der breiten Bevölkerung bekannt geworden. Als Cambridge- und Princeton-Absolvent arbeitete Turing während des Zweiten Weltkriegs als Kryptoanalytiker und spielte eine entscheidende Rolle bei der Entschlüsselung der Enigma, einer Verschlüsselungsmaschine der deutschen Wehrmacht. Nach dem Krieg war er für die National Physical Library in London tätig, wo er an der Automatic Computing Engine (ACE) mitarbeitete und den Bauplan für speicherprogrammierbare Computer entwickelte. Später entwickelte Turing an der Universität von Manchester die Idee der künstlichen Computerintelligenz. Dort entwarf er ein Experiment zum Testen von KI, das noch heute den Namen “Turing-Test” trägt. Turings Leben nahm ein tragisches Ende. Nachdem die Behörden von seiner Homosexualität erfuhren, wurde er 1952 wegen Verstoßes gegen die britischen Homosexualitätsgesetze verhaftet. Als Folge dessen nahm sich Turing im Alter von 41 Jahren das Leben. Das Time Magazine ernannte Turing zu einem der 100 wichtigsten Menschen des 20. Jahrhunderts.

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Sophie Wilson – Britische Informatikerin

Sophie Wilson studierte Informatik an der Universität Cambridge und entwarf dort bereits in ihren Sommerferien einen Mikrocomputer für eine automatisierte Viehfütterung. Nach der Uni arbeitete sie für Acorn Computers, wo sie mit Steve Furber in weniger als einer Woche den Prototyp für den BBC-Microcomputer entwarf, ein erfolgreiches Computerprojekt im Rahmen einer Fernsehserie der BBC. Auch das Betriebssystem und den Basic-Interpreter des BBC-Micro entwickelte Wilson selbst. Der Rechner wurde über eine Million Mal verkauft und in vielen Schulen Großbritanniens eingesetzt. Wilson ist vor allem für die Entwicklung des Acorn RISC Machine (ARM) Prozessors bekannt, der noch heute in Smartphones eingesetzt wird. Sie ist Transgender und lebt nahe Cambridge.

Lynn Conway – US-amerikanische Informatikerin und Erfinderin

Lynn Conway ist eine Pionierin des mikroelektronischen Chipdesigns mit einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte. Sie besuchte sowohl das MIT als auch die Columbia University und wurde 1964 von IBM für die Entwicklung eines fortschrittlichen Supercomputers rekrutiert. Nachdem Conway 1968 ihre Transsexualität offenbarte, wurde sie von IBM kurzerhand entlassen. Nach der Entlassung entschloss sie sich für eine endgültige Geschlechtsanpassung. Ein erster Versuch der Geschlechtsanpassung in den 50er Jahren scheiterte aufgrund der noch schlechten klinischen Möglichkeiten zu dieser Zeit. Conway startete nach der geglückten Hormontherapie anschließend unter neuem Namen und neuer Identität ein neues Leben. Sie war gezwungen, ihre Karriere von Grund auf neu aufzubauen. Dabei leistete sie wichtige Arbeit bei Organisationen wie Memorex, DARPA und Xerox PARC, wo sie an der Entwicklung neuer Techniken und Methoden für den VLSI-Entwurf beteiligt war. Im Jahr 2014 wurde sie vom Time Magazine zu einer der “21 Transgender People Who Influenced American Culture” ernannt. IBM entschuldigte sich 52 Jahre später für ihre Entlassung.

SPECTRUM Tipp: Wer sich für das Thema interessiert, bekommt in der Online-Serie „A Queer History of Computing“ von Jacob Gaboury, Assistenzprofessor für Digital Media & Visual Culture der Stony Brook University, einen noch tieferen Einblick in die Geschichte der LGBTQI+ Community in der Welt der Informatik.

Verschiedenfarbige Gesichtsprofile Multikulturelle Vielfalt in der Gesellschaft

Fazit

Einige Pioniere, deren Lebenswerk und Entdeckungen eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung moderner Computertechnologien gespielt haben, waren (oder sind) Teil der LGBTQI+ Community. Viele lebten und arbeiteten zu einer Zeit, in der der gesellschaftliche Druck und Gesetze sie dazu zwangen, ihre wahre Orientierung und Identität zu verbergen. Umso wichtiger ist es, diese Personen heute hervorzuheben, um anderen den Mut zu geben, stolz auf die eigene Persönlichkeit zu sein und sie zu motivieren, sie selbst zu sein. Weitere nennenswerte LGBTQI+ Vertreter in den Reihen der Wissenschaft und Informatik sind unter anderem: Sofia Kovalevskaya, Christopher Strachey, Peter Landin, Edith Windsor, Jon Hall, Mary Ann Horton und Audrey Tang.

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